10 - Dating in Translation
- 23. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Nachdem ich nun beinahe täglich dem Göttergatten eine neue Strategie zum Thema Online-Dating präsentiert hatte, wurde mir klar: Ich muss meine eigene Hemmung überwinden, „alleine“ Französisch zu sprechen.
Ich weiß, wie lächerlich das ist, wenn man seit über zehn Jahren hier lebt, aber ich verstecke mich gerne hinter meinem Mann, wenn es darum geht, Termine zu machen oder Ähnliches. Allerdings kann ich ihn ja schlecht mit auf ein Date nehmen.
Für den Alltag sind meine französischen Sprachkenntnisse natürlich vollkommen ausreichend, aber auf einem Rendezvous geht es ja nicht nur darum, dass man sich verständigen kann – im Idealfall will man den anderen ja auch ein wenig beeindrucken. Und das ist natürlich schwieriger, wenn man wie eine Grundschülerin spricht.
Was hilft in dieser Situation? Klar: üben, üben und noch mal üben.
Sie wollen wissen, wie ich geübt habe?
- Offensichtlich nicht mit meinem Mann, sonst könnte ich ja schon längst Französisch.
Ich habe einem Typen geantwortet, der um die Ecke wohnt und mir bereits drei Nachrichten geschrieben hatte. Daraus habe ich mir mal erlaubt zu schlussfolgern, dass er ausreichend Interesse an mir hat, um über meine sprachlichen Defizite hinwegzusehen – und gleichzeitig bereitwillig auf meinen Vorschlag eingehen wird. Der lautete: Lass uns in zwei Stunden am Kanal im Schlosspark treffen.
Die Idee dahinter: Man muss sich nicht ununterbrochen unangenehm ansehen und jede Pause mit Worten füllen, sondern begleitet sich ein Stück auf dem Weg. Vielleicht ist es nur eine Runde um den Kanal oder ein längeres Stück im Leben.
Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht, und keine drei Minuten später hatte er zugesagt. Perfekt! Da ich diesen Typ nicht imponieren wollte, war ich null aufgeregt. Der öffentliche Treffpunkt entsprach meinem ausgeprägten Sicherheitsbedürfnis. Noch schnell einen Screenshot machen, an die beste Freundin und den Ehemann schicken und vorsichtshalber die Gendarmerie taggen, in die Jeans schlüpfen – und schon konnte es losgehen: mein allererstes Date auf Französisch.
Ich war von mir selbst überrascht, wie entspannt ich auf einmal war. Ein letzter Blick aufs Handy ließ mein Herz dann doch etwas höher schlagen – allerdings nicht wegen meines Dates, sondern wegen des Göttergattens. Denn er hatte mir folgende Nachricht geschickt:
„Ho!!! Viel Spaß! Ich bin stolz auf dich, dass du das machst, ohne dir 100 Fragen zu stellen.“
Mit diesen ermutigenden Worten ging ich auf meine erste Verabredung seit über 15 Jahren – und zum ersten Mal in einer Sprache, mit der ich auf Kriegsfuß stehe.
Sie wollen jetzt sicher wissen, wie mein Date war?
Na ja, was soll ich sagen – meine Intuition hatte recht und mein Französisch war nicht zu schlecht. Dass mein Gegenüber keiner war, mit dem ich die Laken teilen wollte, wusste ich schon nach der Begrüßungsumarmung. Er war nicht unsympathisch, aber von meiner Seite aus war da einfach null Chemie. Allerdings konnte ich das nicht sofort einräumen, sonst hätte ich ja kein Date auf Französisch gehabt. Also liefen wir eine Stunde im Kreis und sprachen über offene Beziehungen – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn. Denn längst war klar, dass dies eine Einbahnstraße war.
Trotzdem fand ich es ein gelungenes Date, denn es hat mir gezeigt, dass ich das, wovor ich am meisten Angst und Hemmung hatte, doch kann. Ich kann ein Date auf Französisch haben – und dabei fast so charmant klingen wie eine Austauschschülerin mit mittelmäßigen Noten.
Es war kein Date, das meine Höschen nass gemacht hätte – aber eines, das mich wohlig durchnässt zurückließ: vor Selbstvertrauen.




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