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41 - Ein Date, zwei Generationen – Tinder in der Familienpackung

  • vor 4 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Wie würden Sie es finden, auf einem ersten Date direkt die Mutter kennenzulernen? Nein, nicht irgendwann.

Sofort.

Ohne Vorwarnung.

Wie ein Familien-Pop-up-Fenster im echten Leben.


Ich fand es lustig. Weil es nicht mein Date war, sondern das meines Ehemannes. Jetzt wollen Sie bestimmt mehr Details, oder? Es war einer dieser Abende, an denen das Universum mal wieder so richtig Lust auf Ironie hatte. Wir waren auf dem Weg zu einem Jazzfestival, und als wir so durch die Menge liefen, sagte ich zu meinem Göttergatten: „Ich hoffe, ich treffe keines von meinen Tinder-Dates.“ Besonders hatte ich den nackten Poeten im Kopf – oder auch den Herrn vom Spargelspektakel. Und mit der Selbstsicherheit eines Typen, der glaubt, sein Algorithmus sei besser als der von Tinder selbst, sagt er zu mir: „Na, mir kann das ja nicht passieren.“ Dabei hatten wir Chloé erst zwei Tage vorher auf dem Fête de la Musique getroffen, bei dem sich unsere Tochter schon nicht mehr erinnern konnte, dass das Chloé ist – mit der sie bereits zu Abend gegessen hatte.


Wir hatten es uns gerade bequem gemacht, als mein Mann mir sein Handy zeigte und dabei nüchtern verkündete: „Anaïs ist hier.“ Bereits da musste ich ziemlich lachen. Vor zwei Wochen hatte er noch gesagt, er habe aufgehört, mit ihr zu schreiben, da sie 300 Kilometer entfernt wohnte und völlig unklar war, wohin das führen sollte. Als er dann hinzufügte, dass sie mit ihrer Mutter, ihrem Stiefvater und ihren fünf Geschwistern plus deren Partnern hier ist, bin ich vor Lachen fast vom Stuhl gefallen – und konnte für die nächste Stunde mein Honigkuchenpferd-Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht wischen. Es fehlten eigentlich nur noch ein Kamerateam und eine Moderatorin, um dem ganzen Glaubhaftigkeit zu verleihen.


Die einzige Frau von Tinder, die er nie getroffen hatte, war mit der ganzen Sippe hier – und er mit seiner Ehefrau. Das war einfach zu komisch und klang wie der Plot einer schrägen Hollywood-Komödie. Aber ich hatte Spaß daran. Er hätte nur noch eine Tischrede halten müssen – schließlich war es der Vorabend der Hochzeit der Mutter seines bisher nie gesehenen Tinderdates. Ein mögliches Thema: polyamore Improvisation im Großfamilienformat. Oder auch: Wenn dein Date noch keine MILF ist – und deshalb ihre Mutter mitbringt.


Auf die Frage, wie wir sie erkennen würden, sagte er: „Sie ist eine zehn Jahre jüngere Gothic-Version von dir.“ Und er hatte nicht gelogen. Die Beschreibung passte exakt. Ich möchte nur noch hinzufügen, dass diese Version von mir zu einem komplett schwarzen Outfit orangefarbene Socken trug. Was soll ich sagen – sie war witzig, und wir verstanden uns sofort. Ihren Bruder lernten wir auch gleich noch kennen. Wir hatten bereits ein kleines bisschen Erfahrung im gemeinsamen Daten, aber bisher nicht mit der kompletten Familie im Hintergrund. Wir machten etwas Small Talk, und dann brauchte ich dringend Wein – nicht wegen des Schocks, sondern um mein dämliches Dauergrinsen herunterzuspülen. 


All das war schon wirklich bizarr und extrem erheiternd – aber als sie ihm dann auch noch schrieb: I have a crush on your wife, konnten meine Mundwinkel für den Rest des Abends nichts mehr nach unten ziehen. Meine Mundwinkel schoben an diesem Abend außervertragliche Überstunden, denn ich war die Grinsekatze deluxe im Dauereinsatz. 


Ich war sogar so großzügig, ihm diese Begegnung nicht als Date anzurechnen – schließlich kämpfte er ohnehin schon mit Antonia, der wankelmütigen Italienerin: halb Date, halb Musiktheater.

 
 
 

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