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40 - Finale in C‑Dur

  • 21. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Normalerweise verlasse ich nach dem Date das Bett und kann nicht mehr laufen, aber dieses Mal hat es Amar getroffen. Der Grund ist allerdings weniger sexy, als Sie vielleicht vermuten. 


Unserer komplizierten Terminplanung ist es zu verdanken, dass Amar und ich uns eine ganze Weile nicht gesehen haben. Bedauerlich, aber solange die Stelle des Disponenten in unserem Liebesmanagement unbesetzt bleibt, leider nicht zu ändern. Umso erfreulicher war es, dass uns der Zufall mal wieder in die Hände spielte: Eine meiner Lieblings-Jazzbands trat in Laufnähe von Amars Wohnung auf. Da wir beide gerne Jazz mögen, verabredeten wir kurzerhand ein Date. Zweisamkeit, Sex und Jazz in La Défense – der perfekte Dreiklang für einen Abend zwischen Lust und Lounge.


Endlich angekommen und sogar einen der raren Parkplätze ergattert, war ich froh, wieder Amars strahlende Augen zu sehen und von seinen stürmischen Küssen begrüßt zu werden – bis ich sah, wie er Richtung Schlafzimmer watschelte. Er war so steif – und ich meine damit nicht sein bestes Stück –, dass ich überlegte, ob ich ihm lieber eine Wärmflasche statt ein Kondom reichen sollte. Auf meine besorgte Frage, was los sei, antwortete er nur knapp: „Ich hab’ ein bisschen Rücken.“ Ich sah ihn fragend an. Er öffnete den Reißverschluss meines Kleides und ließ keinen Zweifel daran, dass er jetzt ein wenig horizontale Aufmerksamkeit wollte. Und wer bin ich, um ihm das zu verweigern? Er hatte Rücken, ich hatte Lust. Gemeinsam fanden wir ein paar Positionen, die zumindest der Orthopäde abgenickt hätte.


Zu meiner persönlichen Erleichterung war die Wohnung dieses Mal in einem deutlich besseren Zustand als bei dem 45-Minuten-Mittagspausen-Fick. Hier konnte man sogar duschen, ohne sich Kondome über die Füße zu ziehen. Keine herumliegende dreckige Wäsche, keine Essensreste in Reichweite – fast schon beziehungsverdächtig ordentlich. Ich hätte die Vorzeichen erkennen können. Auf dem Weg zum Grande Arche erzählte er mir, dass er eine Frau kennengelernt hatte, die vielleicht mehr sein könnte. Das freute mich ehrlich für ihn – heißt für uns aber leider Abschied nehmen. Da Amar eine klassische Beziehung will, trotz aller appetitanregenden Einblicke, die ich ihm in unsere offene Ehe gewährt habe.


Wir genossen das Konzert. Er hielt durch. Vielleicht aus Anstand. Vielleicht, weil er hoffte, Jazz würde den Nerv lockern. Auf dem Rückweg watschelte Amar nicht mehr wie ein Pinguin über das Glatteis, sondern schob sich vorsichtig vorwärts wie eine Weinbergschnecke über Scherben. Er hatte sprichwörtlich Trennungsschmerz – als hätte Amor selbst ihm in den Rücken geschossen. Auch wenn er sich nur noch im Schneckentempo zur wahren Liebe schleppen konnte, drücke ich ihm die Daumen. 


Und mein Göttergatte?

Der hatte diese Woche genau das richtige Lied im Programm: „Sauver l’amour“. Zu Deutsch: „Rettet die Liebe“. Er stand da, sang für die Liebe – und für die Quote, um einer möglichen Quotenabweichung langfristig vorzubeugen. Ich war beeindruckt. Und amüsiert. Denn er hatte sich von Antonia, der komplizierten Italienerin, überreden lassen, mit 300 anderen Menschen (vermutlich nicht alles mitgeschleppte Tinder-Dates) unter professioneller Anleitung ein Lied einzustudieren – inklusive Auftritt vor laufender Kamera.


Diese Woche gab’s beim einen Erektion, beim anderen Intonation –Töne in C-Dur statt Lust ohne Zensur. Der einzige schiefe Ton kam von Amars Rücken.

 
 
 

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