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39 - Leck mich am …

  • 14. Mai
  • 2 Min. Lesezeit

Kurze Frage an Sie: Was sind Ihre erogenen Zonen?

Die häufigste Antwort: Genitalien, Brustwarzen, Anus. Damit liegen Sie sicher nicht ganz falsch. Das sind die primären erogenen Zonen – quasi das Billy-Regal unter den Lustpunkten: überall erhältlich, leicht zu finden und benutzerfreundlich. Die Deluxe-Edition kommt – inklusive Überraschungsfunktionen, versteckter Knöpfe und erregender Geräuschkulisse.


Die Lateiner unter Ihnen ahnen es schon: Wenn es primäre Zonen gibt, dann existieren zwangsläufig auch sekundäre – und dazu gehören Nacken, Ohren, Lippen, Hals, Innenschenkel, Rücken, Unterbauch, Hände, Finger, Zehen und Fußsohlen. Diese Zonen sind wie stille Mitläufer auf einer Party – zurückhaltend, bis jemand sie richtig anspricht. Dann tanzen sie auf dem Tisch und lassen sich Scheine in die Unterwäsche schieben. 


Bis vor ein paar Tagen hätte ich eine vollständige Landkarte meiner Lustregionen anfertigen können – mit Höhenlinien, Farbskala und einem „Hier bitte lecken“-Pfeil. Da wäre selbst Kolumbus nicht vom Kurs abgekommen. Dachte ich zumindest. In den vergangenen Monaten habe ich jedoch einiges über mich gelernt. Nicht alles war ein Lustfeuerwerk – aber die Entdeckung dieses Neulandes hätte mit Sicherheit auch so manchen Seefahrer erregt.


Nach dem Sex lag ich mit Leif im Bett und griff nach dem Wasserglas auf dem Nachttisch – die After-Sex-Zigarette der gesundheitsbewussten Milf. Er lag – unserer vorherigen Position geschuldet – verkehrt herum im Bett. In dem Moment, in dem ich mich erschöpft, aber sehr befriedigt über das Glas beugte, durchzuckte mich plötzlich ein elektrischer Schlag. Ich dachte erst, ich hätte das Wasser auf ein Kabel geschüttet – das Kribbeln überstieg jede zugelassene DIN-Norm für ekstatische Kurzschlüsse. Ich konnte überhaupt nicht einordnen, was da gerade passierte. Alles, was mir durch den Kopf ging, war: Nicht aufhören, bitte! Noch etwas fester! Und mach das für immer!


Ich spürte seine warmen Lippen an einem Körperteil, konnte aber nicht sofort sagen, welchem. Erst als die erste Welle nachließ, wurde mir klar, was Leif da tat. Und offen gesagt, ich zögere fast, es auszusprechen – weil es mich doch reichlich überraschte: Er saugte an meinen Zehen. Ich schwankte zwischen Ekstase und komplettem Systemabsturz – wegen akuter Lustüberflutung. Was Kolumbus für die Neue Welt hielt, war in Wahrheit Indien. Was ich bisher als funktionales Körperende verbucht hatte, stellte sich als pulsierendes Epizentrum heraus. Neues Motto: Weniger „Leck mich am A …“, mehr „Leck mich am Z…“. Mein Alphabet der Lust ist jetzt beim Z angekommen. Von wegen „Wer A sagt, muss auch B sagen“ – versuchen Sie’s doch mal mit Z.


Also hier eine kleine Hausaufgabe – auch für jene, die glauben, schon alles zu kennen: Saugen Sie einmal voller Hingabe an den Zehen Ihres Partners oder Ihrer Partnerin. Tun Sie es einfach – und tun Sie so, als würden davon Orgasmen, der Weltfrieden und Ihre Gehaltserhöhung abhängen. Wenn Sie ganz sicher gehen wollen, dass Ihr Gegenüber diesen Moment in vollen Zügen genießt, kümmern Sie sich gleichzeitig mit den Fingern um seine Körpermitte.


Manchmal ist das wahre Abenteuer eben nicht zwischen den Beinen – sondern am anderen Ende der erotischen Weltkarte: südlich des Knöchels. Da frage ich mich unweigerlich: Gibt es da draußen noch mehr vergessene Kontinente?

 
 
 

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