11 - Kaltes Wetter, warme Verstecke
- 30. Okt. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Angespornt von meinem ersten Tinder-Spaziergang suchte ich mir nach vergleichbaren Kriterien einen neuen Begleiter aus. Einziger Unterschied: Diesmal fand ich den Typen heiß. Vielleicht lag es daran, dass er Spanier war. Der Fakt, dass ich mir meine außereheliche Freizeit erst mit einem ‚beinahe‘ Italiener, nun auch noch mit einem Spanier vertrieb, veranlasste meinen Mann zu der Nachfrage, ob ich vorhätte, ausschließlich französische Erzfeinde zu daten. Das war nicht mein Plan, aber falls ich noch einen Briten mit aufnehmen würde, dann hätte ich nicht nur mehr Tee im Bett, sondern auch meinen Beitrag zur Völkerverständigung geleistet – schließlich müsste ich mit ihm kein Französisch sprechen, wodurch die Chance, wirklich verstanden zu werden, rapide steigen würde.
Weil sich der ‚Tinder-Spaziergang‘ bewährt hatte, schlug ich es auch jetzt wieder vor, denn solch ein Spaziergang erlaubt Nähe und Abstand zugleich. Es war Januar und sonnige fünf Grad, was ich als abgehärtete Ostdeutsche als spaziergangsfähiges Wetter einstufte. Sein dezentes Drängen Richtung Café entging mir nicht. Ich bestand charmant auf dem Spaziergang, und er war tapfer und tauchte auf. Anders als beim letzten Mal wusste ich schon bei der Umarmung zur Begrüßung, dass die Chemie stimmt. Tatsächlich brachte mich der Spanier binnen weniger Minuten zum Lachen. Er trug bei fünf Grad plus eine beheizbare Jacke. Erst dachte ich, das wäre ein Witz – diese Erfindung war mir bisher komplett entgangen, was überraschend ist, da meine anderen zwei besseren Hälften absolute Frostbeulen sind. Ich kam nicht umhin, an meinen Mann und meine beste Freundin zu denken. Dies wäre das absolut beste Weihnachtsgeschenk für die beiden.
Abgesehen von seiner Hightech-Winterausrüstung verschwendete ich allerdings keinen weiteren Gedanken an die beiden, während ich mit dem frierenden Spanier zusammen war. Ich spürte schnell, dass wir hier nicht ewig nur spazieren würden. Er nahm meine warme Hand in seine frostige – und der Schauer auf meinem Rücken kam nicht nur von der Kälte. Er zog mich Schritt für Schritt näher an sich. Er hatte eine beheizbare Jacke – ich hatte plötzlich heiße Unterwäsche.
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Also hier eine Zusammenfassung: Der Spanier ist heiß, er riecht verlockend, und er kann hervorragend küssen. – Der Spaziergang hat sich gelohnt: Im Park knutscht es sich hemmungsloser als unter den missbillig runzelnden Augenbrauen neidischer Kellner. Ach ja, und er ist auch noch sehr praktisch, denn er ist nur jede zweite Woche hier. Das passt perfekt in meinen Zeitplan. Außerdem habe ich das Gefühl, dass ich bei diesem Mann mal die Prinzessin sein darf.
Es ist nicht unbedingt ein inneres Bedürfnis von mir, aber das ist ja das Schöne an verschiedenen Partnern: Man kann auch mal seinen diversen anderen Ichs ein wenig mehr Platz einräumen.
Zwischen uns beiden hatte es gefunkt, und am Ende der Woche fragte er nach einem zweiten Spaziergang. – Wir schafften ganze 500 Meter, bis er seine kalten Finger unter meinem Kleid wärmen musste. Das Ganze endete auf dem Rücksitz seines Autos, auf einem Kinoparkplatz mit beschlagenen Scheiben. Heizstab zum Lippenwärmen, kalte, fordernde Hände auf Tauchgang – Titanic-Feeling inklusive, nur ohne Eisberg, aber mit Schmelzwasser.
Wissen Sie noch, wann Sie das letzte Mal im Auto herumgemacht haben wie Teenager?
Also, bei mir war es vor der Zeit, bevor Kindersitze auf der Rückbank standen.
Ich sag’s Ihnen: Ein kleines sexuelles Abenteuer auf der Rückbank macht jünger als jede Botoxkur – und kostet weniger, wenn man nicht von der Polizei erwischt wird. Anti-Aging zum Nulltarif. Wirkung: sofort. Nebenwirkungen: Grinsen.




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