14 - Tinder & Kinder
- 20. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Die Frage: „Papa, wo gehst du jetzt hin?“ ist bei uns zu Hause nicht ungewöhnlich. Obwohl unsere Tochter langsam ins Alter der einsilbigen Antworten kommt, will sie noch wissen, was wir eigentlich so machen. Das ist ein absolut nachvollziehbarer Wunsch. Und eigentlich antwortet man dann wahrheitsgemäß: zum Einkaufen, ins Büro, zum Zahnarzt oder wohin auch immer.
Nie sagt man allerdings: „Ich gehe zu meiner regelmäßigen Beischläferin heute mal mit Halbpension“ oder: „Ich gehe meine Lustfreundin besuchen. Wir machen zusammen Horizentalsport – eine Mischung aus Yoga, Gewichtheben und rhythmischer Gymnastik.“
Falls Sie so etwas jedoch schon einmal geantwortet haben, dann kontaktieren Sie mich bitte, um mir von der Reaktion Ihrer Kinder zu berichten.
Fakt ist: So etwas will, sollte und muss man seinem Kind nicht sagen.
Aber … ja, es gibt ein Aber. Es widerstrebt mir zutiefst, unsere Tochter anzulügen. Wir predigen hier etwas von einem Vertrauensverhältnis und planen dann, sie jahrelang anzulügen. Ehrlich, das geht mir so sehr gegen den Strich, dass ich nach dem Nageln noch einen Alibi-Baumarkt-Besuch absolvieren muss, nur um wenigstens ein bisschen die Wahrheit zu sagen.
Nicht nur, weil es die Beziehung zu unserer Tochter gefährdet, sondern auch, weil wir ihr etwas vorleben würden, an das wir selbst nicht mehr glauben. Ich will, dass sie sieht, dass Treue nichts mit sexueller Enthaltsamkeit zu tun hat, sondern mit ehrlicher Kommunikation. Ich will, dass sie lernt, dass manche Herzen so groß sind, dass die Liebe für mehrere Menschen darin Platz hat.
Aber wie macht man das am besten, ohne sie in ihrer eigenen Entwicklung zu sehr zu beeinflussen?
Wir wissen es noch nicht genau! Was wir bisher tun: Wenn wir Menschen daten, die vermutlich länger in unserem Leben bleiben werden – wie Chloé oder Giovanni –, dann sagen wir das einfach – die anderen treffen wir während der Schul- oder Schlafenszeit. So werden diese Personen für sie zu unseren Freunden, und Freunde mag man nun mal sehr gerne, manche sogar ganz besonders gerne.
Die Idee dahinter ist, dass mit ihrer eigenen wachsenden sexuellen Erfahrung vielleicht auch das Verständnis dafür wächst, was wir mit diesen Menschen teilen – ohne dass es einen Schockmoment gibt, in dem wir ein großes Geständnis ablegen und ihr kindliches Vertrauen in unsere Familie erschüttern.
Ob dieser Plan aufgeht, werden wir ja sehen.
Apropos Kinder und Tinder: Es schockiert mich immer wieder, wie viele Männer Profilbilder mit Kindern haben – fast so, als handele es sich um kleine, niedliche Hundewelpen oder ein zuckersüßes Fohlen, denen das „schwache Geschlecht“ auf keinen Fall widerstehen kann. FURCHTBAR!
Mal ganz ehrlich: Mütter wissen, dass Kinder Arbeit sind, und fallen auf den „Die-sind-so-niedlich-Trick“ nicht mehr rein. Und Frauen ohne Kinder wollen dich entweder „Daddy“ nennen, während sie an deiner Zuckerstange lecken, oder sie finden Kinder so sexy wie Dirty Talk mit Alexa.
Außerdem frage ich mich, was wohl die Mütter dieser Kinder davon halten, dass ihre Sprösslinge hier als Köder herhalten müssen. Dads sind definitiv sexy – aber bitte ohne ihre Kinder! Schon beim Elternabend sind Kinder tabu, dann sollte das bei der After-Show-Party erst recht so sein.
Bis wir eine bessere Lösung finden, bleiben uns halbe Wahrheiten und gelegentliche Baumarktbesuche – um die Fassade zu pflegen, bis unsere Tochter alt genug ist, sie mit uns einzureißen.




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