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16 - Wortakrobaten und Sportgeräte vergleicht man nicht

  • 4. Dez. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Obwohl mein Mann ein Statistikfan ist, gibt es selbst für ihn Grenzen. 

Er führt keine Excel-Tabelle über unser Dating-Leben.

Abgesehen von seiner 100 %-Trefferquote – ein Wert, den selbst ich mir merken kann. Wir zählen nicht, wer mehr Matches hat, nicht, wer auf mehr Dates geht, und vor allem nicht, wer öfter durch fremde Hände, Zungen oder andere Körperteile kommt – das wäre mal eine etwas andere Pivot-Tabelle, die man nicht aus Versehen im nächsten Direktorenmeeting teilen sollte.


Klar reden wir darüber. Aber wir zählen keine Punkte. Liebe ist kein Wettkampf – weder zwischen uns, noch im Vergleich zu anderen. Sie ist ein wildes Abenteuer, das wir teilen und das groß genug für viele ist.


Tatsächlich habe ich mich noch nie gefragt, ob Chloé vielleicht besser im Bett ist als ich. Ich weiß, dass sie anders ist – und ich weiß, dass sie Dinge kann, die mich beeindrucken. Dinge, die ich, selbst ohne die Berichte meines Mannes – den ich für eine vertrauenswürdige Quelle halte, weil er nicht zu Übertreibungen neigt – für eine Erfindung der Pornoindustrie gehalten hätte.

Bis vor Kurzem hätte ich nicht geglaubt, dass das anatomisch überhaupt möglich ist, offensichtlich hat Chloé ein Update bekommen, das ich verpasst habe. Ich mag Analverkehr, aber dafür benötige ich Gleitmittel, eine gewisse Vorbereitung, den richtigen Winkel und liebevolle Zuwendung – und selbst dann ist das keine Garantie. Chloé hingegen kann das einfach so. Als wäre ihr Hintern von deutschen Ingenieuren speziell für eine reibungslosen Verkehr auf der linken Spur konstruiert worden. Keine Vorbereitung. Kein Widerstand. Keine Geschwindigkeitsbegrenzung.


Das finde ich faszinierend.

Aber fühle ich mich davon bedroht?

Nein! Ganz im Gegenteil – es motiviert mich, mich intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen, und der Göttergatte muss dafür herhalten.

Sie sehen also: Mein armer Mann leidet doppelt.

Und was lernen wir daraus?

Man sollte nicht von seinem eigenen Arsch auf andere Ärsche schließen.


Selbst Giovanni, der mit Worten alles zum Schmelzen bringen kann, stellte schnell fest, dass mein Hintern anspruchsvoller ist als die Jury des Literaturnobelpreises. Giovanni ist jemand, der eine enge Verbindung zu seinen Gefühlen hat und sie auch ausdrücken kann. Dabei zeigt er eine Sensibilität und Wortgewandtheit, die mich zutiefst berührt – und zugleich anmacht.

Mein Mann, der Statistiker, ist da ganz anders. Ich habe ihm mal einen Notizblock geschenkt – mit Liebesbriefen zum Ankreuzen. Man sucht sich einfach einen schönen Satz aus, kreuzt ihn an und legt den Zettel seiner Liebsten hin. Er hat vielleicht fünf davon benutzt. In zehn Jahren. Statistisch gesehen habe ich eine größere Chance, beim Gebären von Zwillingen vom Blitz getroffen zu werden.

Das ist Romantik nach Zahlen.


Fühlt er sich davon bedroht, dass Giovanni meine Sehnsucht nach Worten erfüllt? Sie ahnen es schon, nicht wahr? Natürlich nicht! Denn dieser Ausdruck von Gefühlen entspricht einfach nicht seiner Persönlichkeit. Genauso wie mein Arsch eine größere Diva ist als der von Chloé – und das ist völlig in Ordnung. 


Wenn wir alle gleich wären, wäre das Konzept der offenen Ehe ja völlig unsinnig. Es geht genau darum, neue Erfahrungen zu machen und sie auch dem anderen zu gönnen.


Denn am Ende zählt nicht, wer in welcher Spalte kommt oder die eleganteste Formel beherrscht – sondern dass die Trefferquote unserer Herzen noch immer bei 100 % liegt.

 
 
 

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