19 - Hüter der Romantik
- 25. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Es ist Sonntag, wir sitzen in der Wanne und beschäftigen uns gerade mit der Wochenplanung, da die Stelle als Disponent/in trotz Ausschreibung noch immer unbesetzt ist. Mein Mann teilt mir mit, dass er für Freitag bewusst auf ein Date verzichtet und stattdessen Chloé schon am Donnerstag trifft. Ich schaue ihn verblüfft an. Wollen Sie wissen, warum er da kein Rendezvous geplant hat?
Sie kommen nie darauf!
Weil da Valentinstag ist!!!
Mein pragmatischer Göttergatte, der nicht einmal Liebesbriefe zum Ankreuzen ausfüllt, fand Fremddaten am Valentinstag unromantisch. Und meine Reaktion als abgestumpfte Ehefrau?
Ich fange an zu lachen, weil ich das für einen Witz halte.
Doch nein – kein Witz, sondern sein bitterer Ernst.
Ich war kurz davor, ihm die Stirn zu fühlen, ob er Fieber hat. Ich war amüsiert.
Meinetwegen, meine Verabredung mit Amar war für Dienstag vorgesehen – also sollte mich dieser plötzliche Romantikanfall nicht weiter stören. Als ich mich dann am nächsten Tag bei meiner zweiten besseren Hälfte über den Herzinfarkt der Gefühle des Göttergatten lustig machen wollte, gab auch sie ihm noch recht! Unglaublich! Dabei liegt ihr Romantik-Sinn nur wenige Prozentpunkte über dem meines Mannes.
Doch der Tag hielt noch mehr Überraschungen bereit. Amar musste unser geplantes „Und-sie-vögelten-bis-ans-Ende-ihrer-Kondition-oder-bis-zur-ersten-Ejakulation-Date“ auf Freitag verschieben. Oh nein! Gar nicht gut.
Falls Sie jetzt denken: „Ist doch nicht so schlimm, dann vögelt ihr halt eine Woche später“, dann wissen Sie nicht, wie komplex unsere Terminplanung ist. Sollten wir es am Freitag nicht schaffen, uns zu sehen, würden sechs Wochen vergehen, bevor sich wieder eine Gelegenheit ergibt. Am Montag begannen schließlich die Winterferien, in denen er erst seinen Sohn hatte, dann würde ich im Urlaub sein und direkt danach begann Ramadan.
In solchen Momenten bräuchte ich dringend ein Planungsgenie. Doch da sich noch immer keines finden ließ, blieb mir nur eins: Ich musste mit dem selbst ernannten Hüter der Romantik verhandeln – ein Mann, der mir gerne mal die Valentinstagsblumen eine Woche früher schenkt, weil sie da billiger sind, und ich wirklich überrascht bin.
Wie sind diese Verhandlungen ausgegangen?
Nun ja, sagen wir mal so: Ich habe keine Rosen bekommen – stattdessen ein 1,90 m großes, muskulöses, sehr appetitliches Geschenk, das frei Haus geliefert wurde. Mit Premium-Kundenservice für drei Stunden.
Sex mit Amar war wie unser erstes Date – nur diesmal ohne störende Klamotten. Nach einer Stunde Dauer-Vögeln landeten wir unter der Dusche – und blieben dort gefühlt eine halbe Ewigkeit, wo eine Intimität entstand, die mir die Socken ausgezogen hätte – hätte ich welche angehabt.
Ich hatte regelrecht das Gefühl, er aß sich an all dieser Nähe satt und genoss jede Berührung, jeden Kuss, jeden Blick. Das Ende seines Zoom-Meetings – schließlich war er ja im Homeoffice – verbrachten wir halb bekleidet, knutschend auf dem Sofa bei ausgeschalteter Kamera.
Nach diesem Vormittag war mein Akku leerer als mein Satisfyer nach einem Wochenende alleine. Ich brauchte dringend einen zweistündigen Mittagsschlaf, um Energie für eine zweite Runde zu sammeln. Natürlich musste ich mich beim Göttergatten für sein aufopferungsvolles Valentinstagsgeschenk gehörig bedanken!
Rückblickend frage ich mich, ob das nicht von Anfang an sein Plan war.
Immerhin ist er ein Marketing-Profi!
Das wäre ein verdammt cleverer Schachzug gewesen, doch wer bin ich, um mich zu beschweren?
Mein Valentinstag war buchstäblich ausfüllend.
Dies lag jedoch weder an Pralinen noch an Blumen und war dazu auch noch kalorienbewusst, gesundheitsfördernd und kostenlos.
Amor, mach dir Notizen. So funktioniert Romantik im Jahr 2025.




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