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20 - Kommen mit Hindernissen

  • 1. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, dass mein Mann mich am Anfang beim Daten für zu kopflastig hielt, weil ich keine Lust hatte, die Herren bei sich zu Hause zu besuchen. Das lag nicht nur an meiner leicht ungesunden Portion Paranoia, die in mir schlummert, sondern auch daran, dass ich für Sex ein Umfeld benötige, in dem ich mich wohlfühle. Also zum Beispiel ein Auto mit großer Rücksitzbank, die man sich mit zwei Kindersitzen teilt.


Was meine Libido hingegen zuverlässig in den Keller schickt, sind:

  • WG-Zimmer, die seit Monaten nicht gelüftet wurden,

  • spartanisch eingerichtete Bachelor-Wohnungen mit klapprigen Holzbetten,

  • Katzen, die einem beim Vögeln zusehen – und bei denen man sich fragt, ob sie verstört sind oder einfach nur still verurteilen.

  • Oder wenn ich auf dem Weg ins Schlafzimmer mit meinen High Heels Slalom um Legosteine laufen muss. Ich steh auf Vorspiel – aber lieber mit Zunge als mit Plastiksteinen. Ich will vom Typen flachgelegt werden, nicht vom Legohelden.


Deswegen mag ich Sex in meinem Haus oder im Hotel – weil es dort keine Störfaktoren gibt, die vom Wesentlichen ablenken. Für diese Einstellung werde ich vom Göttergatten sehr gerne belächelt und mit dem Kommentar versehen, dass nicht nur mein Hintern eine Diva ist. Aber zum Glück hat das Leben einen Sinn für Ironie!


Nicht nur, weil mein Mann wieder ein Tinder-Date hatte und damit weiterhin eine 100 %-Abschlussquote hält – erfolgreicher als jeder Callcenter-Mitarbeiter beim Versicherungs-verkauf. Sondern auch, weil er nach Hause kam und auf meine Frage, wie es war, antwortete:

„Okay, aber …“

„Aber was?“

Ich meine, was kann schon schiefgehen, wenn man zu einer Frau nach Hause fährt, die man seit vier Tagen kennt, nie vorher gesehen hat und sofort übereinander herfällt? Klingt doch nach der perfekten Mischung aus Romanze und True-Crime-Doku. Ich für meinen Teil war ja schon froh, dass es wirklich eine Frau war – und er mit einem Verarbeitungs-Whisky in der Hand wohlbehalten wieder neben mir im Sessel vor dem Kamin saß.


„Irgendwas war immer... so ein bisschen daneben.“ 

In ihrer Wohnung war es so kalt, dass er wirklich froh war, als sie endlich Hand anlegte, um sein bestes Stück vor Frostbeulen zu schützen. Die Position beim Sex war immer nur fast gut – wie ein IKEA-Stuhl, der ohne Anleitung aufgebaut wurde: Geht schon irgendwie, aber bequem ist was anderes.

Er war fast fertig, doch dann traf ihn ein Wadenkrampf mit der Wucht eines Stromschlags. Sein ganzer Körper verkrampfte sich, und für einen kurzen Moment sah er sein Sexleben an sich vorbeiziehen. Tinder sei Dank kamen ihm dabei nicht nur meine komischen Orgasmusgesichter in den Sinn.

Das Bett? Knallte so laut gegen die Wand, dass er sich sicher war, die Nachbarn hätten längst Wetten auf seine Ausdauer abgeschlossen – Popcorn inklusive. Statt heißem Bettgeflüster und rhythmischem Stoßen war er nun damit beschäftigt, bei jeder Bewegung das Kissen hinter den Bettpfosten zu klemmen, um den Schall zu dämpfen. Da blieb wenig Energie übrig, um sich über den eher suboptimalen Winkel Gedanken zu machen.


Und weil all das noch nicht genug war, mussten sie direkt nach dem Sex noch die Hausaufgaben ihrer Tochter über die Bewirtschaftung von Feldern mit Monokulturen korrigieren. Zugegebenermaßen hätte ich diese Überarbeitung gerne gelesen – schließlich hatten sie gerade selbst Feldforschung betrieben, Samen gestreut und waren definitiv keine Vertreter von Monokulturen. 


Die Erkenntnis des Tages: Mischkulturen kosten mehr Energie, bringen aber besseren Ertrag – im Bett wie auf dem Feld – sie sind also sexy und nachhaltig.

 
 
 

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