top of page

22 - 1, 2, 3 - Aller guten Dinge sind drei

  • 15. Jan.
  • 2 Min. Lesezeit

Nun war es auch bei meinem Mann soweit – er fiel aus der Spalte 30–39 und rutschte in die Kategorie 40 bis 49. Die Planung seines Geburtstags war aus diversen Gründen ohnehin schon chaotischer als vorgesehen – da waren die sich selbsteinladenden Schwiegereltern, eine Schwägerin im Drama-Modus, eine Tochter auf Klassenfahrt und eine Ehefrau, die nicht richtig lesen konnte und deshalb Tickets für die Oper in London statt Paris gebucht hatte. Doch da unsere Tochter in Deutschland auf Schulausflug war, machten wir kurzerhand aus dem Fehler einen Kurztrip.


Und als wir ausnahmsweise mal an einem Samstag statt am Sonntag zusammen in der Badewanne saßen – wie zwei leicht beschwipste Teebeutel im heißen Wasser – und uns der Champagner schon leise unanständige Vorschläge ins Ohr flüsterte, sagte er halb im Scherz, halb im Ernst: „Weißt du, was meinen Geburtstag in London noch besser machen würde? – Ein Dritter!“


Das war nicht das erste Mal, dass das Thema zwischen uns aufkam. Beim ersten Versuch hatte er mit einer Tinderbekanntschaft geschrieben, die von sich aus richtig Lust auf ein Dreier-Date hatte – sie musste uns fast überreden. Doch nachdem sie die Telefonnummern mit ihm ausgetauscht hatte, war sie einfach abgetaucht.


Dann hatte ich einen Versuch mit einem Typen unternommen, der mit seiner Ehefrau nach einer dritten Person suchte. Aber zwischen uns stimmte die Chemie überhaupt nicht – für mich war das nach fünf Minuten offensichtlich. Er wiederum brauchte noch 48 Stunden, um „nach reichlicher Überlegung“ zum selben Schluss zu kommen.


Aber wie sagt man so schön? Aller guten Dinge sind drei. Bis zu unserem Abflug waren es noch drei Tage, und der Göttergatte hielt es für extrem unwahrscheinlich, dass ich das noch organisiert bekomme. Mein Ehrgeiz war geweckt – also habe ich kurzerhand meinen Profiltext auf Tinder geändert und ein Abo abgeschlossen, damit ich meinen Standort nach London verlegen konnte.


Auf meinem Tinderprofil stand jetzt:„Hey Ladies, my goooorgeous, French husband is turning 40 next week and we are celebrating in London! Looking for a lovely lady to join us. We are a French-German couple living near Paris.“

Und – sind Sie neugierig, ob es geklappt hat? Wenn sich die Matching-Queen und der Quoten-King zusammentun, ist Tinder machtlos. Wir wollten es entspannt angehen – also ganz klassisch: Drinks, Lächeln, Hotelzimmer. Wie aus dem Handbuch „Tinder für Dummies“.


Schließlich stand für den Göttergatten einiges auf dem Spiel – wenn wir dieser Frau begegnen und sie unser fensterloses Hotelzimmer nicht zu Gesicht bekommt, dann wäre seine 100-Prozent-Trefferquote im Arsch. Und das an seinem Geburtstag! Aber zum Glück gab es in London doch mehr auszupacken als nur Geschenke.


Nach zwei Cocktails verschwanden wir mit ihr hinter der verschlossenen Hotelzimmertür. Ich war überrascht, wie selbstverständlich alles war. Sie hatte so etwas schon viele Male gemacht und übernahm ein wenig die Regie – was alles andere als unangenehm war.


Die sexy Details überlasse ich jetzt ganz Ihrer Fantasie – aber sagen wir mal so: Ich musste in den folgenden Tagen öfter an diesen Abend denken, besonders wenn ich genüsslich ein Eis geschleckt habe. Und ich schätze seither die mündlichen Leistungen engagierter Männer und Frauen sehr viel mehr.


Wer hätte gedacht, dass man in der Zunge tatsächlich Muskelkater bekommen kann? Probieren geht über Studieren – vor allem bei mündlichen Prüfungen.

 
 
 

Kommentare


© 2025 by Frau Mustermann Powered and secured by Wix

bottom of page