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23 - Spargelspektakel

  • 22. Jan.
  • 3 Min. Lesezeit

Frisch geduscht, geschminkt, gepudert, enthaart – kurz: bereit für alles . Einziges Problem: Ich weiß noch gar nicht, wo genau ich hin muss. Ich schaue abermals in unsere Konversation – und da fällt es mir wie Schuppen von den Augen! Englischanfängerfehler, dritte Klasse! Ich habe „Thursday“ – also Donnerstag – mit „Tuesday“ – dem Dienstag – verwechselt. Ich habe also keine Adresse, weil niemand auf mich wartet – außer meinem Englisch-Wörterbuch.


Statt auszugehen, bereite ich mir fürs Familienabendessen einen leckeren Spargel-Erdbeer-Salat mit Rucola zu. Im Frühling hat man schließlich Lust auf etwas Frisches – in vielerlei Hinsicht. Danach: Kind im Bett, Mann vor dem Computer, und ich bin unentschlossen, was ich mit diesem Abend anfangen soll. Doch nicht versagen und das Telefon fragen. Ich hatte letztens ein ziemlich unterhaltsames Date mit einem Kolumbianer im Schlosspark – und warte seitdem auf seine Testergebnisse. Sie wissen schon… spiel mir das Lied vom Test.


Der Typ wohnt gleich um die Ecke und hat schon ein paarmal gefragt, wann wir uns wiedersehen. Also frage ich ihn, ob ich zu einem „vögelfreien“ Date herüberkommen kann – um Missverständnisse von vornherein zu vermeiden. Seine Antwort: „Klar! Komm auf einen Film rüber.“ Ich gebe ihm eine halbe Stunde Vorlauf und bringe eine Flasche Wein mit, ehe ich irgendeinen wahllos ausgesuchten, schlecht temperierten Wein trinken muss. Es war eine typische, aber in Hektik immerhin aufgeräumte Junggesellenwohnung. Ein Tisch. Ein Stuhl. Ein Bett. Fertig. Minimalismus für Single-Männer ohne Wohnansprüche.


Als komplett eingerichtete Mutter stellt sich mir sofort die naive Frage: „Aber wie wollen wir denn so bitte einen Film schauen?“ Sie denken sich die Antwort bestimmt schon. Genau – indem wir uns direkt auf das Bett legen. Das in ‚Clean Chic‘ vor mir erstrahlte – also ohne Bettwäsche. Ob das sein Versuch war, mir Hygiene zu signalisieren? Wie auch immer, wir nehmen Platz, quatschen kurz, trinken ein Glas, und er schaltet irgendeinen Actionfilm mit dem Matrixtypen ein. Er legt sich hin und sagt: „Sei nicht schüchtern“, und zieht mich auf seine Brust. Eine Weile machen wir dumme Sprüche über den schlechten Film und liegen aneinander gekuschelt auf seinem Bett.


Ich weiß, dass Sie sich fragen: „Wann passiert denn endlich mal etwas Spannendes?“ Jetzt! Wir fangen an zu knutschen, ziehen uns ein bisschen aus, und dann ist er vor mir verschwunden und beschäftigt sich sehr intensiv mit meiner Mitte. Und da passiert es: Ich merke, wie mir ein warmer Schwall die Schenkel hinunterläuft. Squirting gehört bei mir nicht zur Standardausstattung. Es passiert schon mal – aber mehr in der Größenordnung von verschütteten Schnapsgläsern. Das hier fühlte sich allerdings nach dem Inhalt einer Teekanne an. Mal davon abgesehen, dass ich ihm gerade eine ordentliche Ladung über seine Bettdecke ejakuliert habe, nehme ich einen unangenehmen Geruch wahr. 


Oh, fuck, denke ich – der Spargel. Ich weiß nicht, ob Sie auch zu den Menschen gehören, die ein Enzym besitzen, das die Asparaginsäure des Spargels in schwefelhaltige Stoffe zerlegt. Ich bin leider zertifiziert geruchsaktiv nach Spargelgenuss. Es gibt brauchbarere Superkräfte. Da Squirting zu einem nicht unerheblichen Teil aus Urin besteht, habe ich diesem Typen also bei unserem ersten intimen Date das nicht bezogene Bett mit Spargelpisse versaut. Ich wäre gerne im Erdboden versunken oder wenigstens unter einer frisch bezogenen Bettdecke. Doch er legte meinen Kopf wieder auf seine Brust, ich schob meine Beine galant um den riesigen nassen Fleck – und dann haben wir den Film zu Ende geschaut, als wär nichts gewesen.


Ich glaube nicht, dass er mein Squirting als Erfolg für sein handwerkliches Können verbucht hat – und ich hatte nicht den Mut, den Geruch mit dem Spargel zu erklären. Man sagt ja, man sieht sich zweimal im Leben. Zum Glück war das hier Nummer zwei.

 
 
 

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