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25 - Wenn’s unten hängt, hängt’s auch oben

  • 5. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Ich habe wie eine undressierte Wildkatze fremdes Terrain markiert, nackt Poesie vorgetragen bekommen, mit Amar das Ende des Ramadan genossen und einen neuen Typen – angezogen – auf einer Parkbank gedatet. Nein, zum ersten Mal zogen auch am heimischen Dating-Himmel dunkle Wolken auf. Bis dato war das Konzept der datenden Ehefrau nur ein punktuelles Ereignis gewesen. Denn es war mir über die letzten Monate nicht gelungen, so etwas wie eine Dating-Routine aufzubauen.


Warum nicht, fragen Sie?

Ganz ehrlich: Das frage ich mich auch. Es gab Schulferien, die männliche Angst vor Blutabnahmen, meine eigene Zögerlichkeit – und einen Hauch universaler Ironie. Seit London war meine Neugier geweckt. Zwischenzeitlich war ich sogar so motiviert, das Projekt „Offene Ehe - global“ zu starten. Bei meiner Suche nach englischsprachigen Dates war ich schon ein bisschen herumgekommen – das fand ich ausbaufähig. Aber wenn ich ehrlich bin: Die Dates waren spannend – ja –, aber ich hatte keine Ahnung mehr, was ich bei all der Auswahl eigentlich suchte. Und genau das schlug offenbar auch meinem Mann auf die Libido. Er fühlte sich plötzlich verunsichert. Unsere offene Ehe war als Netzwerk tragender Beziehungen gedacht – nicht als Landkarte der Pimmel.


Der Göttergatte hatte in all den Jahren nie Erektionsprobleme. Gab es Not an der Frau, konnte ich ihn nachts um drei wecken – und er stand seinen Mann. Doch in den vergangenen Wochen häuften sich die Schwächeanfälle – also untenrum, nicht kreislauftechnisch. Ich nahm es wahr – aber es beunruhigte mich nicht wirklich. Mein Mann ist kein Fan von Veränderungen, und jetzt leben wir in permanenter Veränderung. Da sind andere Frauen. Neue, unbekannte, aufregende. Ich kann nachvollziehen, dass das Altbewährte gelegentlich an Attraktivität verliert. Als er schließlich den Austausch suchte und offen sagte, dass ihm die Situation nicht auf den Magen, sondern auf den Schwanz schlägt, war auch das eines dieser noch nie geführten Gespräche, die einen als Paar wachsen lassen – wenn man wirklich zuhört und nicht jedes Gefühl des anderen als Angriff auf das eigene Ich deutet. Fast nebenbei erwähnte er dann, dass er kaum noch eine Morgenlatte habe – und das wohl schon seit anderthalb Jahren. Ich war beschämt, dass mir das nicht aufgefallen war. Oder doch? Vielleicht hatte ich es bemerkt – und einfach für einen Abnutzungseffekt gehalten.


Aber nein, liebe Leserinnen und Leser: Wir haben gelernt, eine regelmäßige Morgenlatte sollte vom Kind bis zum Greis zu finden sein – sie ist ein Zeichen für einen funktionierenden Schwanz – das Stehaufmännchen der männlichen Vitalfunktionen. Und falls das bei Ihnen nicht so ist: Sprechen Sie bitte mit einem Arzt darüber.


Was viele vermutlich kennen, ist das klassische Symptom: Wenn man einmal anfängt, über Erektionsstörungen nachzudenken, geht gar nichts mehr. So ging es auch meinem Mann.Er nahm sich online einen Termin beim Arzt – der mehr über unser Sexleben wissen wollte als über seinen Patienten. Er verordnete eine Blutabnahme – und verschrieb kleine Helferchen, bis die genaue Ursache geklärt ist. Ich war offen gestanden überrascht, wie schnell das ging: Am Freitag klagte mein Mann über seine dritte Erektionspanne – und am Montagabend standen sie beide – mein Mann und sein Medikament – beruhigt in der Schlafzimmertür.


Schon eigenartig: Männer  bekommen blaue Pillen. Frauen kriegen PPP – nein, keinen Penis-Pausen-Prosecco, sondern pseudo-psychologische Podcasts mit Titeln wie „Finde dich selbst, bevor du ihm zu anstrengend wirst“.

 
 
 

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