26 - Reit mich, ich bin ergonomisch
- 12. Feb.
- 2 Min. Lesezeit
Mein Mann hat sich dieses Jahr zum Geburtstag einen sexuellen Traum erfüllt – und ich wollte das auch. Aber mein Traum war ein ganz anderer. Er sieht aus wie ein liegendes, langgezogenes B, wobei der obere Bogen deutlich höher ist als der untere. Zwischen den beiden Bögen passt bequem ein Po. Falls Sie jetzt an einen liegenden Adonis mit stolz geschwellter Brust und Monstererektion denken – liegen Sie voll daneben. Na ja, wobei – er könnte schon auf meinem Geschenk liegen.
Seit Jahren wünsche ich mir ein Liebesmöbel, eine Fickcouch oder – etwas klassischer – eine Tantra-Liege. Der einzige Grund, warum sich so ein Ding bisher nicht in meinem Besitz befindet, sind die relativ hohen Anschaffungskosten – und die ungewisse Frage: Wie oft wird man das wirklich nutzen? Doch mit der offenen Ehe kommt das gute Stück ja zwangsläufig viel öfter zum Einsatz. Genau mit dieser Argumentation rechtfertigte ich vor mir (und meinem Mann) die in Spanien extra nach meinen Wünschen angefertigte Vögelcouch. Auch die beim Möbelkauf sonst eher zurückhaltende Männerwelt war begeistert von dieser Anschaffung. Komischerweise habe ich die Herren noch nie so neugierige Nachfragen stellen hören, wenn ich von einer neuen Ikea-Küche erzählt habe. Dabei kann man auch darin Dinge zum Vernaschen anrichten.
Sechs Wochen lang habe ich auf das Liebesmöbel gewartet – wie andere auf WLAN, wenn gerade der Porno lädt. Und als es endlich ankam, erhielten wir – wie bei einem Sterne-Restaurant – ein Menü dazu. Nur dass hier nicht serviert, sondern geritten, gerutscht und geliebt wird. Die einzigen Zutaten? Eine beliebige Anzahl williger Körper und eine gehörige Portion Kreativität (optional: Knieschoner und Magnesium für Fortgeschrittene).
Wir konnten aus einer Vielzahl von Positionen wählen, zum Beispiel:
– „Der Kissenkapitän“ – er übernimmt das Kommando, sie meldet sich zum Dienst
– „Die Polstersurferin“ – sie reitet die Welle, bis es spritzt
– „Die Kante des Wahnsinns“ – dort, wo Liebe und Schmerzen sich Guten Tag sagen
Kaum war das gute Stück die Treppe hochgewuchtet, ahnte ich schon, dass wir zwei Freunde werden würden. Ich dachte, ich bestelle ein neues Accessoire fürs Schlafzimmer – stattdessen kam ein Portal ins Lust-Multiversum. In der Theorie finde ich Reiten gut, aber in der Praxis stimmt oft etwas nicht für mich – komischer Winkel, zu weiche Matratze, nichts, woran ich mich festhalten kann, oder irgendein anderer Stellungs-Stolperstein. Aber mit diesem Ding stimmte einfach alles. Ich war beflügelt und beglückt, und mein Mann? Von den Socken – die er beim Sex ohnehin nie tragen darf.
Ganz ehrlich, ich verstehe nicht, warum die Krankenkasse die Anschaffungskosten für so ein Ding nicht übernimmt – schließlich haben nicht alle so eine sexy Privat-Physiotherapeutin wie der Göttergatte. Ergonomisches Vögeln bis ins hohe Alter – das spart Rückbildungskurse, Physiotherapiestunden, Beckenbodentraining, Tena-Lady-Produkte, senkt vermutlich den Verbrauch von Antidepressiva und führt unter Umständen zur Absenkung der Scheidungsrate. Was, nebenbei gesagt, gesünder für alle ist. Die einzige Kehrseite ist die zu erwartende Zunahme an Rezepten für kleine blaue Pillen – aber die werden ja ohnehin als Privatrezept verschrieben und gehen somit nicht zulasten der Allgemeinheit.
Vielleicht sollte Pfizer ein Bonusprogramm starten: Wer 100 Packungen Viagra kauft, bekommt den 'Stellungshalter 100' geschenkt. Und bevor Sie fragen: Ja, meine Couch ist zwar blau – aber rezeptfrei.




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