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27 - Kulinarische Verführung

  • 19. Feb.
  • 2 Min. Lesezeit

Verschiedene Menschen mögen verschiedene Dinge. Manche stehen auf Aprikosen, andere auf Wurst – und wieder andere halten es für gänzlich unnötig, sich überhaupt zu entscheiden. Allgemein gilt: Vor allem Frauen sind bei dieser delikaten Frage oft flexibler als Männer. Zumindest trifft das auf die Damen im Leben meines Mannes eindeutig zu. Ich mag beides, Chloé mag beides, und Nele – die Neue mit dem gegen die Wand donnernden Bett und der Vorliebe für Hausarbeiten über Mono- versus Mischkulturen – mag ebenfalls beides.


Mein Göttergatte mag zwar keine Wurst, aber er kann dafür mehr als eine Aprikose auf einmal vernaschen – was er in London unter Beweis gestellt hat. Natürlich hat er den Mädels anschließend nicht ohne Stolz davon erzählt. Begehrlichkeiten wurden geweckt, und Nele ließ es sich nicht nehmen, mehrfach zu betonen, dass sie mal wieder richtig Lust auf Obst hätte. Sie schlug vor, mich beim nächsten Mal einfach mitzubringen. Charmant, ja – aber ich schaue mir mein Obst gern in Ruhe an, bevor ich hineinbeiße. Ich bin nicht der Typ Frau, der sich vom saftigen Pfirsich mit Traummassen einfach überrumpeln lässt. Ich prüfe vorher die Herkunft – und ob’s Bio ist.


Das Schöne an offenen Beziehungen: Ersatz ist meist schnell gefunden. Also sprang Chloé kurzerhand selbstlos für mich ein, um meinem Mann einen weiteren Dreier zu ermöglichen – und Neles Lust auf Aprikosen endlich zu stillen.


Ich erwähnte ja bereits, dass schon die Terminfindung zu zweit eine kleine Meisterleistung sein kann. Lassen Sie sich sagen: Mit drei Beteiligten wird es nicht besser. Die Terminabstimmung war logistisches Gruppensex-Tetris. Zu diesem Zwecke mussten meine Eltern schon mal eher abreisen. Man muss schließlich Prioritäten setzen, und wer sechs Tage Schwiegereltern überstanden hat, der hat sich einen Dreier redlich verdient. Leider waren seine Eltern danach nur drei Tage da. - Na ja, meine Gelegenheit wird bestimmt noch kommen.


Chloé wäre aber nicht Chloé, wenn sie nicht passend zum Anlass das richtige Gebäck dabeigehabt hätte. Da sie weder beim Sex noch beim Backen Hemmungen kennt, hatte sie ein ganzes Tablett mit Aprikosen-Wurst-Cookies vorbereitet. Man kann wirklich nicht sagen, was das größere Experiment war – Sex mit einer Unbekannten oder diese Kekse zu probieren. Sie schmeckten wie ein Dreier im Backofen: heiß, süß und mit leicht fleischigem Abgang. Eine Mischung aus französischem Pâtisserie-Traum und einer deutschen Grillparty.


Die zwei Früchtchen verstanden sich auf Anhieb blendend. Sie waren glücklich, endlich eine Gleichgesinnte gefunden zu haben – eine Frau, die ihren Bedürfnissen und Neigungen folgt, ohne sich von Konventionen aufhalten zu lassen. Das ist keineswegs selbstverständlich.


Dieses Mal gab es keine „Abers“: Das Bett knallte nicht permanent gegen die Wand, alle waren hot, und sogar die Hausaufgaben waren schon erledigt. Das Einzige, was mich im Nachhinein wunderte, ist, dass keine von den Mädels Zungenmuskelkater hatte. 


Chloés Kekse haben mich inspiriert: Vielleicht sollte ich ein Kochbuch schreiben – „Offen genießen – 69 Rezepte für Beziehungssalat mit Dreier-Vinaigrette.“ Falls Sie selbst kulinarische Grenzerfahrungen gemacht haben – sagen wir: Aprikosen-Wurst-Cookies oder doppeltgefüllte Sahneschnitten – Schicken Sie mir gern das Rezept. Mit Anleitung. Und aussagekräftigem Bildmaterial. Denn nach dem Festschmaus ist vor dem Festschmaus.

 
 
 

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