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33 - Oral in Verzug

  • 2. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Wie halten Sie es eigentlich mit der Pünktlichkeit?

Ich bin stets bemüht, verfehle sie allerdings reichlich oft. Einer der Gründe, warum ich in Frankreich gut aufgehoben bin. Hier wird gar nicht erst erwartet, dass man wirklich pünktlich ist – habe ich zumindest gedacht. Doch Stereotype machen auch vor Tinder-Dates keinen Halt. Und da mein Date wusste, dass er es mit einer Deutschen zu tun hatte, kam er superpünktlich. Ich hingegen war eher so südfranzösisch pünktlich – aber mit Ankündigung. Man will natürlich nicht unhöflich sein, nur etwas bummelig. Seine Antwort auf meine Sprachnachricht hat mir allerdings die Worte verschlagen: „Das ist überhaupt kein Problem. Für jede Verspätung um 15 Minuten schuldest du mir einen Blowjob.“ Ich musste lachen, weil ich das für einen Witz hielt. Aber nein! Er begrüßte mich mit einem Blick auf die Uhr und sagte tatsächlich: „22 Minuten – das macht zwei Blowjobs.“ Charmant – wie eine Mahnung vom Finanzamt, nur intimer. Das war mal ein interessanter Eisbrecher.


Diese Regel könnte eine teure Scheidung verhindern – oder wenigstens die dritte Paartherapie, den Paartöpferkurs oder die gemeinsamen Tangostunden ersparen. Machen Sie sich einen Termin aus – und wenn eine Partei zu spät kommt, schuldet sie der anderen für jede angefangene Viertelstunde Verspätung einmal Oralsex. Ich bin mir nicht sicher, ob man damit wirklich schneller ankommen würde – aber plötzlich würden Verspätungen mehr Spaß machen. Und das Verständnis für den trödelnden Partner würde drastisch steigen.

„Zieh ruhig noch Kleid Nummer fünf an – ich hab’ ohnehin nichts vor. Außer oral in Verzug zu geraten.“ „Lies ruhig noch die fünfte Bundesliga-Analyse auf dem Klo – aber bitte wasch dir danach die Hände. Ich liege derweil schon mal auf dem Esstisch.“


Alles, was eine Ehe benötigt, sind Verständnis füreinander und gute Kompromisse.

Da der Herr nicht getestet war, unser Date auf einer Parkbank stattfand und ich erst während meiner Verspätung auf diese Regel hingewiesen wurde, war an eine Umsetzung ohnehin nicht zu denken. Wir hatten eine gute Zeit, spannende Gespräche – aber die Funken fehlten. Nicht schlimm, es war immerhin keine Zeitverschwendung. Ich hatte ja nicht auf ihn gewartet. 

Richtig absurd wurde es erst nach dem Date.


Wir hatten danach nur noch sporadisch geschrieben, bis er mir tatsächlich einen Link schickte – mit der Bitte, zu seinem Geburtstag etwas zu spenden, damit er sich einen Tag im Tonstudio leisten könne. Das war irritierend – auf einem ganz neuen Level.


Wer macht so etwas?

Erst fremde Frauen um Blowjobs bitten – und dann um Geld? 

Ich kam mir fast vor wie ein Mann: Nicht interessant als Mensch, sondern als potenzieller Investor – möglichst still, möglichst meinungslos. Wieder nur objektiviert – diesmal eben nicht sexuell, sondern finanziell. Gleich falsch, nur anders verpackt – ganz egal, ob es um Brüste oder Bruttogewinn geht. Und so wurde ich von der Blowjob-Gläubigerin zur Investitionsverweigerin, weil ich das vierte Paar Schuhe zum Anprobieren einfach nicht finden konnte.

 
 
 

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