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50 - Polyamoröse Schadensbegrenzung

  • 30. Juli
  • 3 Min. Lesezeit


Was ist oder wäre das Schwierigste für Sie an einer offenen Ehe?

Dass ihr Partner andere küsst?

Für mich ist es, mitanzusehen, wie jemand aus seinem Leben verschwindet, der ihm viel bedeutet hat. Chloe zum Beispiel.


Man konnte von außen beobachten, wie sie langsam immer mehr verschwand – ein stiller Landeanflug statt eines lauten Absturzes.

Keine Explosion, kein Knall.

Nur ein klangloses Verschwinden.


Und zurück bleibt ein Ehemann, der mehr fühlt, als er zugeben mochte.


Mit ansehen zu müssen, dass der andere leidet – und nichts dagegen tun zu können – ist eine Herausforderung. Besonders für jemanden wie mich, die oft im lösungsorientierten Mama-Modus unterwegs ist. Chloe war acht Monate lang jede Woche bei uns – Teil unseres Alltags. Und plötzlich wird schmerzhaft offensichtlich, dass man einer Person doch nicht so nah war, wie man selbst geglaubt hat. Das sind die Schattenseiten der offenen Ehe. Die, über die man nicht so gerne spricht.


Um sich selbst zu schützen – und um sich abzulenken von dem, was er nicht ändern konnte, griff der Göttergatte zu einer bewährten polyamorösen Bewältigungsstrategie: neue Menschen daten. Denn: Ist die Quote erst mal ruiniert, dann datet es sich ganz ungeniert.

Seit der Sache mit der singenden Italienerin war die 100-Prozent-Quote ohnehin passé. „Also: neues Spiel, neues Glück – eine Woche, zwei Dates.“


Date Nummer eins begann gleich mit einer herrlich charmanten Ansage: „Du bist so gar nicht mein Typ, aber na ja, lass uns trotzdem mal treffen.“ Ehrlich – Respekt an meinen Mann. Ich hätte die Person an dieser Stelle schon längst dematcht. Aber er fand die Frau spannend: eine singende Tantra-Meisterin. Naja, vielleicht hätte mich das mit dem Tantra auch neugierig gemacht.

Das Date war ein Sonntagvormittagsspaziergang am Schloss. Noch deutlicher konnte man kaum signalisieren: Achtung, das ist ein absolut unverfängliches Date bei Tageslicht! Diese Sicherheitsstrategie kam mir direkt bekannt vor.

Sein Fazit danach: „Ich habe keine Ahnung. Die Frau war unkonventionell und warm – aber zwischen uns lag ein Burggraben.“ Da seine Erwartungen nach der einleitenden Absage ohnehin auf ein Minimum gesenkt waren, war es eher eine Lektion in intimem Small Talk mit Fremden.


Date Nummer zwei war da schon deutlich erwartungsvoller. Die beiden hatten drei Wochen lang intensiv geschrieben. Man hatte das Gefühl, sich bereits ein wenig zu kennen. Es war viel Persönliches und auch Intimes dabei gewesen. Die Vorfreude, sich endlich live zu begegnen, war spürbar. Nie war der Göttergatte mit so viel Zuversicht in ein Date gegangen – und nie kam er so ratlos zurück.

Drei Stunden saßen sie in der Bar, plauderten fröhlich, sie dominierte das Gespräch, er ließ es laufen. Doch ihre Körpersprache spannte einen imaginären Stacheldraht. Als der Göttergatte am Ende fragte, ob er sie küssen dürfe, antwortete sie: „Aber nur einen kleinen Kuss.“ Da blieb nur ein geordneter Rückzug. – Diese Frau suchte einen Freund – nicht einen, der ihr den Nacken küsst.


Ein Lichtblick am Dating-Firmament blinkte dann doch noch – begleitet vom Piepen des Telefons – auf. Denn aus „Du bist nicht mein Typ“  war irgendwie ein „Wann sehen wir uns wieder?“ geworden. Die Tantra-Meisterin war begeistert von seiner Energie und seinem Wesen (was ich natürlich voll nachvollziehen kann) – und hatte kurzerhand beschlossen, ihn trotz seines attraktiven Äußeren und seines athletischen Körpers näher kennenzulernen. Offenbar war sein Mangel an Attraktivität doch nicht ganz so schwerwiegend wie zunächst angenommen.


Wenn dein Mann ratlos neben dir im Bett liegt, aufs Handy schaut und sagt:

„Je mehr ich date, desto klarer wird mir: Du bist die beste Ehefrau der Welt.“ – dann ist das vermutlich die angenehmste Form polyamoröser Schadensbegrenzung.

 
 
 

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