34 - Cash me if you can
- vor 6 Tagen
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Kennen Sie noch die Werbung aus den 90ern?
Mein Haus, mein Boot, mein Auto – meine Frauen. Als letzter Besitz in der Kette. Es gibt Männer, die so etwas heute noch richtig geil finden. Ich zähle nicht gern zu den Besitztümern anderer Menschen – was die Begegnung mit einem Exemplar dieser Spezies umso unterhaltsamer machte.
Der Typ begann mir ziemlich schnell zu erzählen, wie viel Geld er mit Währungshandel verdiene – was mich ungefähr so interessierte wie Matrizenrechnung in der Schule. In „Matratzenrechnung“ bin ich inzwischen allerdings besser geworden – zumindest theoretisch. Außerdem war er ganz heiß darauf, mir das beizubringen. Natürlich nur, weil ich so niedlich und so schlau bin – also genau die Richtige, um da durchzublicken. Er konnte ja nicht ahnen, dass ich die Mathehausaufgaben unserer Tochter nur noch mit Alexa korrigiere – die mich dabei regelmäßig fragt, ob ich nicht lieber Gedichte schreiben will. Mein Fokus liegt eben nicht auf Zahlen – aber dafür auf Details.
Der Göttergatte wäre vermutlich begeistert gewesen, wenn mir endlich mal jemand den richtigen Umgang mit Zahlen beigebracht hätte. Und ich hätte ganz seriös ein fünfstelliges Passiveinkommen nach Hause gebracht – mit dem ich dann meinen Schriftsteller:innen-Workshop, eine Fastenkur und seine Midlife-Crisis hätte finanzieren können.
Aber dass da was faul war, roch ich nach wenigen Nachrichten. Es fing schon damit an, dass der Typ mir ungefragt seinen kompletten Namen sagte. Wer macht das schon freiwillig? Und bei Google: kein einziger Treffer, der zu ihm gepasst hätte.
Ich war amüsiert – also habe ich ihn gefüttert. Aufmerksamkeit, ein Hauch Interesse, zwei Emojis mit Herzaugen – reicht, um die Maschinerie am Laufen zu halten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er sein Skript gerade erst auswendig gelernt hatte, denn die einzelnen vertrauenserzeugenden Schritte liefen exakt nach dem Handbuch ab. Nachdem er „zufällig“ seinen falschen Namen genannt hatte, folgte ein Bild von einem Kind – nicht seinem, sondern das seines Bruders, das er wie sein eigenes liebt. Schließlich bin ich Mama. Und man kann uns bekanntlich mit allem ködern, was kleiner ist als 1,20 Meter, sabbert oder uns nicht schlafen lässt.
Nächste Etappe: Bilder von exotischen Urlaubsorten, ein paar süße Hundebilder – und dazwischen so Sätze wie: „Ich trinke nur Voss – das ist Mineralwasser zu Preisen von Michelin-Vorspeisen. Ohne Geschmack, ohne Kalorien – weil mir das so guttut.“
Ich war gespannt, wie viel Zeit er investieren würde, um mich zu überzeugen. Drei sehr intensive Tage fanden dann ihren Höhepunkt in einem Screenshot eines Kontoauszugs, der zeigen sollte, dass er an diesem Tag 17.254,11 € verdient hatte – und er mir sehr gern erklären würde, wie ich das auch könnte. Obwohl er sich wirklich Mühe gab, vertrauenswürdig zu wirken, beging er einen Anfängerfehler: Sein WhatsApp-Account war ein Unternehmensaccount. Das hat mich sofort alarmiert.
Wichtige Regel beim Online-Dating: Wenn jemand dir seine Finanzen zeigt, will er wahrscheinlich deine. Das ist dann daten ohne Samenerguss – aber immerhin mit Kapitalzufluss.




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