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36 - Zielgruppe unklar, Herz offen

  • 23. Apr.
  • 2 Min. Lesezeit

Ich spreche hier ja selten über meinen Beruf – aber vermutlich ist Ihnen ohnehin klar: Herumvögeln ist mein Hobby – mein Job verlangt noch mehr Planung, weniger Stöhnen und leider auch Kleidung. Für Letzteren besuche ich gerade ein PR-Training, in dem es um professionelles Auftreten geht. Und ich muss sagen: Ich habe dabei viel gelernt – nicht nur für die Arbeit, sondern auch für mein Tinderprofil. Ich halte viel von der Trennung zwischen Beruf und Privatleben – aber ein bisschen Cross-Marketing schadet bekanntlich nie. Egal, ob man wie der Göttergatte Quotenkoeffizienten berechnet oder PR-Strategien fürs eigene Tinderprofil entwirft.

Viele Tinderprofile wirken, als würden ihre Betreiber in der Geisterbahn jobben – mit dem Vibe: „Ich bin nicht wie die anderen – ich bin schlechter beleuchtet und kann dich jederzeit mit einem ungefragten Dickpic erschrecken.“

Im PR-Training hämmern sie uns eine zentrale Botschaft ein: Kennen Sie Ihre Kernbotschaften. Betrachte ich mein Tinderprofil unter diesem Aspekt, sind meine bisherigen Resultate wenig überraschend. Denn wer ‚ficken‘ ruft, darf sich nicht wundern, wenn die Bewerberliste aussieht wie die Warteschlange für einen Gratiseinlass in den Swingerklub. Klar, da stand, dass ich Menschen zur emotionalen, intellektuellen und sexuellen Horizonterweiterung suche – aber direkt danach auch, dass ich niemanden ohne aktuellen Test date, und niemanden, der weiter als 30 km entfernt wohnt.

PR-Analysen-Fazit: Zielgruppe unklar angesprochen, Botschaft verwässert, Response-Rate zu hoch – weil sich wieder mal alle angesprochen fühlten, die nicht gemeint waren. Handlungsempfehlung: Tinder-Relaunch mit Fokus auf Authentizität, Emotionalität – und meine Kernbotschaft.

Und damit wären wir bei der entscheidenden Frage: Was will ich eigentlich? 

Ich wünsche mir eine beständige, enge Verbindung mit einem spannenden Menschen – jemand, der emotional gefestigt ist, mir neue Welten zeigt, idealerweise selbst in einer offenen Beziehung lebt … Und bitte möglichst in der Nähe. Ach ja – und auf Englisch. Mal ehrlich: In einer Welt, in der Menschen virtuelle Grundstücke auf dem Mond kaufen – da wird man doch wohl jemanden finden, der Gefühle hat, ein paar mehr Synapsen und idealerweise eine künstlerische Ader.

Also: Wie locke ich so eine seltene Tinder-Spezies auf mein Profil? Erstens: Mehr Bilder. Wir wissen – viele Männer sind visuelle Wesen. Zweitens: Für die, die lesen können (und wollen), ein Text, der klar sagt, was ich suche und vor allem, was ich nicht suche. Drittens: Nur noch Männer liken, deren Profil ich auch wirklich als passend empfinde – und nicht nur als Backup für später speichere. Dieses Mal: ganz oder gar nicht. Lustige Dates hatte ich genug – jetzt will ich mal wieder eins, das mehr ist als nur unterhaltsam. So wie mit Amar. Der offensichtlich wirklich auf dem Mars wohnt – so selten, wie ich ihn auf der Venus zu Gesicht bekomme.

Ich freue mich schon auf die nächste PR-Trainingseinheit. Dann arbeite ich an einer Pressemitteilung mit dem Titel: „Emotional stabile Person mit Bücherregal, Herz und offenen Beziehungsmodellen gesucht – ausschließlich mit Bild.“ 

Wir lernen schließlich aus Fehlern. Sagt man. Ich fange dann mal an.

 
 
 

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