top of page

4 - Nackte Wahrheit mit Champagner

  • 11. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Wie und wo fragt man seinen Partner am besten nach einer offenen Ehe?

Gibt es dafür vielleicht einen Ratgeber? – So was wie 'Offene Ehen für Dummies'. Selbstverständlich müsste der Titel neutraler sein, sonst hätte er das Gespräch ja schon für mich begonnen. – Das wäre natürlich eine Idee gewesen, aber leider fiel sie mir erst in der Retrospektive ein.


Sie wollen wissen, wie ich es gemacht habe?

Ich habe mir einen Ort ausgesucht, an dem ich mir Mut antrinken konnte, wo wir uns immer nackig – physisch und seelisch – voreinander machen und wo uns für ein paar Stunden niemand stört: unsere Badewanne! Das gemeinsame sonntägliche Bad ist eine Institution in unserer Ehe, ein Ort der Nähe und Offenheit. Das warme, blubbernde Wasser, das flackernde Licht der Kerzen und das Funkeln der Champagnergläser – all das ist Teil unseres Rituals. Hier reden wir über alles: uns, unsere Gefühle, unseren Alltag, unsere Zukunft.


So groß das Vertrauen zwischen uns auch ist, es wäre gelogen, zu behaupten, ich hätte keine Angst gehabt. Man glaubt, den anderen gut zu kennen, doch manchmal bleibt seine Reaktion unvorhersehbar. In meiner Vorstellung existierte keine Variante, in der er freudestrahlend aufsprang und rief: „Ja, endlich!“ In meinem Kopf gab es Szenen wie aus einem schlechten Film: Er würde kommentarlos und klatschnass aus der Wanne steigen, eine Spur aus Pfützen im Haus hinterlassen, seinen Koffer packen und nur mit einem Bademantel bekleidet das Haus verlassen. Seine Reaktionen in meinem Kopf bewegten sich in dem Spannungsfeld von einem überraschten, stummen Blick bis zu einem enttäuschten „Dann lass uns gleich getrennte Wege gehen.“


Zum Glück lag ich mit allem falsch. Mein Mann war nicht überrascht, und er wollte auch keine Scheidung. Als sich das herauskristallisierte, war ich unvorstellbar erleichtert. Ich hatte mich getraut, und mein Leben war nicht wie ein Kartenhaus über mir zusammengebrochen. Natürlich war er kein großer Freund des Gedankens, dass jeder von uns seine eigenen sexuellen Erlebnisse haben sollte. Aber er verstand, dass ich Bedürfnisse hatte, auf die ich ihm zuliebe lange verzichtet hatte und die wir zusammen nicht erfüllen konnten.

Die Vorstellung, dass er sich im Swingerklub fragt, welches Bier er trinken soll, während ein anderer Typ überlegt, womit er mich spanken will, war absurd – das hätte keiner von uns genossen. Ich sprach viel, und er hörte zu, wirklich zu. Er verurteilte mich nicht für meine Wünsche, und er redete sie auch nicht klein. Wir hatten beide nicht das Gefühl, dass unsere Ehe gescheitert war. Es fühlte sich an, als stünden wir an einer Kreuzung ohne Straßenschilder – ohne klare Richtungen, aber mit der Gewissheit, dass wir gemeinsam entscheiden mussten, welchen Weg wir einschlagen wollten.


Wir stiegen an diesem Abend ohne Entscheidung aus der Wanne. Er hatte mir zugehört, aber ich wusste, dass er Zeit benötigte, um seine Gedanken zu sortieren. – Das konnte ich gut verstehen, schließlich hatte ich diesen Gedanken selbst monatelang von einer Ecke meines Kopfes in die andere geschoben. Er musste seine eigenen Ängste und Zweifel abwägen und herausfinden, ob sie schwerer wogen als sein Vertrauen in unsere Liebe und in mich.


In dieser Nacht liebten wir uns, gebettet in Wärme, Vertrauen und Erleichterung – denn nackte Wahrheit verdient nackte Körper.

 
 
 

Kommentare


© 2025 by Frau Mustermann Powered and secured by Wix

bottom of page