43 - Poolposition
- 11. Juni
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Es ist Sommer, und da ist es heiß. Nicht nur in unserem Bett, sondern auch sonst überall. Deshalb haben wir in der warmen Jahreszeit einen großen, temporären Pool im Garten. Offiziell ist der natürlich für unsere Tochter gedacht – aber wie bei so vielen Kinderaktivitäten wissen wir ja: Kinder sind nur ein Alibi, damit Erwachsene ungeniert Spaß haben können. Inoffiziell ist er für Erwachsene mit Spieldrang und Nacktheitsverlangen.
Vielleicht ahnen Sie es schon: Ja, es kann schon mal vorkommen, dass der Göttergatte und ich textilfrei im Pool herumhüpfen. Die Nachbarn haben sich anscheinend damit abgefunden, dass unser Garten gelegentlich zur Nacktzone wird. Wer da noch schockiert ist, hat einfach nicht genug Dachfenster-Erfahrung gesammelt. Zwar haben wir das Grundstück speziell für unsere Nackedei-Aktivitäten hoch und rundherum eingezäunt, aber aus den Dachfenstern der umliegenden Häuser lässt sich trotzdem ein Blick in den Garten erhaschen – wenn man sich traut – oder ein gutes Zoomobjektiv besitzt. Ich vermute, unsere Nachbarn haben inzwischen ein ziemlich schräges Bild von Deutschen – und das liegt nicht nur an meinen zwei unterschiedlich großen Brüsten.
Nach einer intensiven Schlafzimmer-Verausgabung in der Mittagshitze ist es natürlich besonders erfrischend, in den Pool zu springen. Hochinteressant wird es für die Nachbarn, wenn der Mittagssex nicht mit dem Ehepartner stattfindet – und man anschließend nackt mit jemand Fremdem planschen geht. Noch spannender wird es, wenn eine halbe Stunde später auch noch die unbekleidete Ehefrau ins feuchte Nass steigt, weil die neue Freundin des Gatten sie in den eigenen Pool eingeladen hat. Was wie die Erfüllung mancher feuchter Fantasie klingt, war in Wahrheit einfach Nacktbaden unter Menschen, die sich mögen – von denen zwei gerade miteinander Sex hatten, ohne Trauschein.
Ich wette, die Neugier trieb unsere Nachbarn an die Dachfenster, als sie hörten, dass der Göttergatte im Pool lag, aber plötzlich nicht mehr wie gewöhnlich Deutsch sprach, sondern Französisch – was bei uns im Viertel als verdächtig gilt. Oder zumindest als "Oh là là !". Wenn sie dann als Grund dafür auch noch eine fremde nackte Frau entdecken, wird es serienreif. Das wirft Fragen auf, deren Beantwortung entweder akribische Spionage oder den Mut zum Nachfragen erfordern würde. Spätestens, wenn sie mich ein paar Tage später Englisch sprechen hörten – eng umschlungen mit Leif im Pool treibend –, stieg ihr Wissensdurst vermutlich ins Unermessliche – während ihre Fremdsprachenkenntnisse längst kapitulierten. Mittlerweile halten sie bestimmt Schampusflaschen sowie Wörterbücher bereit und machen sich ein Picknick am Dachfenster, sobald es bei uns plätschert. Ich bin gespannt, wie lange es dauert, bis sie die ersten spitzen Bemerkungen beim Müllrausbringen murmeln. Oder ob die Franzosen bei solchen Dingen tatsächlich so diskret sind, wie man ihnen nachsagt.
Zum Test ist jedenfalls ein gemeinsames Baden nach dem Dreier mit Chloé und Nele geplant – zur Abkühlung und nicht zur Provokation. Es soll ja keiner heißlaufen – außer den spannenden Nachbarn.
Wir haben für uns beschlossen, dass wir unser Kind schützen wollen – aber was die Nachbarn von uns denken, ist uns scheißegal. Sollen sie doch ihr YouPorn-Abo kündigen, ohnehin nervig jetzt, wo man sein Alter nachweisen muss, sich ein Fernglas kaufen – wir sitzen sowieso zu oft vor dem Bildschirm.
Mit etwas Mut entdeckt man dabei ein neues Beziehungsmodell im angrenzenden Garten. Vielleicht ist das, was sie in unserem Pool schimmern sehen, gar kein Skandal – sondern nur ihr eigener Wunsch, ein bisschen freier zu sein.




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