44 - Drama in den Kissen
- 18. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Können Sie sich noch an das Badezimmer erinnern, das mich mit dem dringenden Wunsch zurückließ, lieber zu Hause zu duschen – wäre da nicht die Tatsache gewesen, dass ich mich vom Schambein bis zum Nasenbein angesquirtet hatte?
Nennen wir den Besitzer dieses Bads der Einfachheit halber Kim. Nach unserem Date war der Kontakt eher sporadisch, was mich nicht weiter störte. Mir war schnell klar geworden, dass 45-Minuten-Mittagspausen-Ficks nichts für meine Karte sind. Sie sind wie Fast Food: gut für Heißhunger, aber nicht nachhaltig sättigend.
Vielleicht erinnern Sie sich auch daran: Kim ist seit zwei Jahren Teil der Rotation von Chloé, die beiden sind gut befreundet, und seine Frau und Chloé fahren sogar gemeinsam mit seiner Familie in den Urlaub. Falls Sie gerade irritiert nachblättern, ob diese Urlaubs-Kombo wirklich so stattgefunden hat: Ja, hat sie. Das war allerdings, bevor ich angefangen habe, alles fein säuberlich zu dokumentieren. Und falls Sie jetzt denken: „Das ist mir zu viel.“ – Glückwunsch, Sie sind vermutlich monogam.
In letzter Zeit hatte Chloé allerdings nichts mehr von Kim erwähnt. Wir hatten das als Zeichen diskreter Rücksicht nach unserem körperflüssigkeitsreichen Date gedeutet.
Doch wie sich herausstellte, gab es einen anderen Grund: Drama hinter den Kulissen. Oder sollte ich lieber sagen – in den Kissen?
Und woher weiß ich das?
Dreimal dürfen Sie raten. Genau – von Kim.
Offenbar brauchte er jemanden, dem er sein Herz ausschütten konnte. Ich fand das nicht weiter schlimm, aber ich dachte nicht an meinen Göttergatten, während ich Kim zuhörte. Natürlich habe ich meinem Mann später alles erzählt – wir stehen schließlich auf offene Kommunikation. Dass ihn das allerdings in seinen Grundfesten erschüttern würde, hatte ich nicht erwartet. Für ihn war die Verbindung zwischen Chloé und Kim immer so etwas wie das Ideal eines entspannten Parallelverhältnisses – das, was er sich insgeheim auch für sich und Chloé gewünscht hätte. Dass diese Verbindung nun offenbar auseinandergegangen war, konfrontierte ihn unweigerlich mit der Tatsache, dass das auch ihm passieren könnte. Und dass wir es nicht von Chloé selbst erfuhren, sondern über Kim – das machte es nicht gerade weniger brisant.
Denn zu offenen Ehen gehören nicht nur die Menschen, die dazukommen, sondern auch jene, die wieder gehen. Der Grat zwischen Austauschbarkeit und echter Beziehung – ob freundschaftlich oder romantisch – ist schmaler, als man denkt. Dank dieser Wisch-zack-nächste-Mentalität ist echte Verbundenheit heute so selten wie ein netter Kommentar auf Social Media. Es ist manchmal schwer, das Gefühl von Beliebigkeit abzuschütteln und den Menschen zu sehen – und nicht nur die erotischen Einzelteile, auf die Apps uns reduzieren.
Wenn Sie einen echten Pro-Tipp wollen: Vermeiden Sie Konstellationen, in denen jeder ein bisschen mit jedem schläft. Man landet unweigerlich in Situationen, die man nie wollte, hört Dinge, die man nicht hören wollte, aber irgendwie dann doch weiß – und plötzlich sitzen Sie da mit Informationen, die der andere Ihnen aus wer-weiß-welchen Gründen verschweigen wollte. Und trotzdem müssen Sie so tun, als wüssten Sie von nichts.
Wenn Sie also auf Ringeltanz mit Anfassen stehen: Tauschen Sie lieber nicht mit jedem die Telefonnummer. Sonst trösten Sie irgendwann den Ex der Freundin Ihres Mannes – und wischen sich dabei die letzten Reste des Squirting-Stresses von der Stirn – rein metaphorisch diesmal. Während Ihr Mann sich fragt, ob er vorsorglich wieder Tinder installieren muss. Nur für alle Fälle.




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