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46 - Schweigepflicht oder Voyeurist?

  • 2. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

In den vergangenen neun Monaten haben mich so einige Männer indiskrete und unerwartete Fragen gestellt. Aber eine Frage, die ich aus männlicher Perspektive superwichtig fände – die mir aber nicht ein einziger Typ gestellt hat –, ist: „Wie verhütest du eigentlich?“ Ich finde das erstaunlich, da fast alle von ihnen Kinder haben. Ja, ich benutze immer ein Kondom, aber die können ja auch mal platzen – wie ein Luftballon in der Rosenhecke – laut, abrupt und garantiert zur falschen Zeit. Und dann hat man den Salat. Mit extra Dressing.


Ich frage mich, ob jeder von ihnen davon ausgeht, dass ich ein solches Kind automatisch nicht bekommen würde – weil ich schließlich verheiratet bin – und bekanntlich schützt ein Trauschein zuverlässig vor biologischen Unfällen. Okay – es wäre tatsächlich schwer zu erklären, warum mein zweites Kind dem ersten so gar nicht ähnlich sieht. Aber trotzdem wäre die Entscheidung meine – und er müsste zahlen und könnte nichts daran ändern.


Da ein Baby jedoch nicht in meine feuchten Träume passt, ergreife ich Gegenmaßnahmen. Als ich vom Göttergatten wissen wollte, wie Chloé und Nele verhüten, konnte auch er anfangs nur mit den Achseln zucken und erwiderte ernsthaft: Diese Frage sei ihm zu persönlich. Ich war überrascht über die Einschätzung, dass jemanden in den Arsch zu ficken weniger intim ist als diese legitime Frage.


Im Zuge der Empfängnisverhütung befand ich mich bei einem Gynäkologen mit terminlicher Verfügbarkeit, und nach der Untersuchung stellte er mir so pro forma seine Standardfragen – und war dann überrascht von meinen nicht ganz standardmäßigen Antworten.


Haben Sie sexuelle Kontakte? – Ja.

Haben Sie diese immer mit demselben Partner? – Nein.

Haben Sie normalen Sex? – Ja: vaginal, oral und anal – falls das der Definition von „normalem“ Sex entspricht.

Haben Sie Sex mit Männern oder Frauen? – Beides.

Getrennt oder zusammen? – Beides.


Was anfänglich klang wie ein medizinisch notwendiger Fragebogen, driftete mit der Zeit systematisch ab.


Das erste Mal, bei dem ich dachte: „Wie bitte?“, war, als er mich fragte, ob meine Partner schwarz seien. Ich kann damit leben, wenn man neugierig ist. Ich kann nicht mit Rassismus leben. Meine Augenbraue hob sich so skeptisch, dass er sich zu einer Erklärung genötigt sah. Dann fügte er eiligst hinzu, ob sie aus Afrika kommen – um eventuell weitere Blutwerte zur üblichen Blutabnahme hinzuzufügen.


Ab diesem Moment war ich mir nicht mehr sicher, ob ich noch mit einem Gynäkologen sprach – oder mit einem Tinder-Bot, der sich als Arzt verkleidet hatte. Ohnehin hatte er etwas schrullige Eigenschaften, etwa, dass er sich eine Stirnlampe aufsetzt, bevor er zur „Höhlenexpedition“ aufbricht.


Es folgten Fragen wie:


Kommen Sie vaginal oder klitoral?

Können Sie auch anal kommen?

Filmen Sie sich beim Sex?

Haben Sie Doppelpenetration?

Schauen Sie Pornos?

Masturbieren Sie?


Ich habe nur auf den Moment gewartet, in dem er mir sein Tinder-Profil zeigt und fragt, ob wir matchen wollen – oder ob ich einen OnlyFans-Account habe. Zum Glück tat er weder das eine noch das andere.


So habe ich seine Fragen als ernsthaftes Interesse am Konzept von Polyamorie verstanden. Er war völlig verblüfft, dass ich die Menschen liebe, mit denen ich Sex habe. Für ihn offenbar ein revolutionäres Konzept.


Das, sagte er, habe er noch nie gehört.


Herzlichen Glückwunsch an die werte Gattin.


Nachdem der Gynäkologe unzählige Fragen über Analorgasmen, Pornos, Masturbation, Doppelpenetration und mein Liebesleben gestellt hatte, schien es mir, als wäre er deutlich mehr an meinem Sexleben interessiert als an meiner Verhütungsstrategie.


Wie bei den anderen Herren lag auch bei ihm der Fokus auf der Expedition statt auf der Prävention.

 
 
 

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