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48 - Wie man eine Paranoikerin verführt

  • 16. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Treffpunkt, und Ihr neues Date schreibt Ihnen:

„Ich schick dir meine Frau, und sie holt dich ab.“

Was wäre Ihre Reaktion?

Mein erster Gedanke: Flucht!


Ich gehe doch nicht mit einer Unbekannten nach Hause … noch nicht mal, wenn man mir Kekse verspricht. Da muss man Prioritäten setzen. Jeder mit ein bisschen paranoider Fantasie weiß, wie so etwas enden kann.


Doch gleichzeitig meldete sich eine andere Stimme in mir: Neugier.


Ich kannte seine Frau von Bildern, und ihr Charme war nicht zu übersehen. Sex zu dritt war bisher kein direktes Thema – dass dies in Zukunft passieren könnte, war eine verlockende Aussicht, aber jetzt?!?! Ausgerechnet heute, wo mein Uterus ungeplant Frühlingsputz veranstaltete?


Also schlug ich mit einem Augenzwinkern vor, dass wir uns wie ursprünglich vereinbart am Kanal trafen – ein Kompromiss zwischen meiner Paranoia und meiner Lüsternheit. Also zwischen „CSI: Paris“ und „Sex and the City“.

Und was soll ich sagen?!?!


Mein Date war nicht auf eine Entführung, aber definitiv auf Verführung vorbereitet – mit frisch gebackenen Matcha-Cookies, spicy Margaritas mit Eiswürfeln und einer Flasche gut gekühltem Champus.


Wow.


So eine Vorbereitung hatte ich nicht mehr erlebt, seit der Göttergatte mir den Antrag gemacht hat. Jetzt verstand ich auch, warum er es so gut fand, dass ich mit dem Zug statt mit dem Auto nach Paris gekommen war. Von ihm ging eine Ausstrahlung aus, die alles leicht machte: sprechen, sich wohlfühlen, lachen. Vielleicht trug auch der Alkohol ein Quäntchen dazu bei. Als der Champus warm wurde – und die Blicke tiefer –, war es Zeit für den nächsten Schauplatz.


Zwei Stunden nach dem ersten Anstoßen betraten wir seine Wohnung.

Kerzenlicht flackerte. Mehr Champagner stand bereit. Seine Frau empfing mich mit einem Lächeln, das Türen öffnete – wie ein Dietrich, nur legaler.

Während er in der Küche verschwand, um uns Zeit zum Beschnuppern zu lassen, saßen wir auf der Couch, erzählten, lachten und musterten uns neugierig.


Dann trat er wieder ins Wohnzimmer, nahm einen Schluck Whisky und senkte seine Lippen auf meine.


Er ließ tropfenweise den Inhalt seines Glases über seine Lippen in meinen Mund fließen.

„Probier du’s auch“, forderte er seine Frau auf.

Meine Hände umschlossen ihr strahlendes Gesicht, während ihre Lippen meinen Mund fanden.

Ihre Lippen waren weich und neugierig, und mein Herz schlug schneller.


Und von da an …


ging es nur noch bergab.


Bergab Richtung Unterhose.


Erst im Nachhinein wurde mir klar, wie weit ich an diesem Abend meine Komfortzone verschoben hatte. Normalerweise ist die gesichert wie die US-Grenze: Fingerabdruck, Passkontrolle, Röntgenblick – alles.

Heute?

Einfach durchgewinkt.

Und das sogar mit Gepäck.


Auf der fast dreistündigen Heimfahrt – statt des Zuges fuhr ein Bus, der gefühlt nie ankam – ließ ich den Abend in Gedanken noch einmal Revue passieren. Die beiden waren das erste Paar in einer offenen Ehe, das ich kennenlernte, bei dem einfach alles stimmte: die Energie, das Miteinander, diese mühelose Intimität. Daraus ergaben sich die Leichtigkeit und die Schönheit des Augenblicks, ohne dass alles vorher definiert und ausgemalt werden musste.


Wir gingen einfach mit dem Flow.


Größer hätte der Kontrast zwischen dem charmfreien letzten deutschen Date und den Franzosen auf Hochtouren kaum sein können.


Drei Espressi und ihre zwei Spätfolgen.


Und spät wurde es tatsächlich. Der geduldige Göttergatte holte mich um ein Uhr morgens, unter der Woche, befriedigt und halbtrunken am Bahnhof ab.

So können offene Ehen auch aussehen: Bahnhofspflicht statt Kussschicht.


Merci, Chéri! 

 
 
 

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