5 - Kater der Erleichterung
- 18. Sept. 2025
- 3 Min. Lesezeit
Kennen Sie das auch?
Sie haben sich etwas von Herzen gewünscht, der Wunsch geht plötzlich in Erfüllung, doch statt Freude zu empfinden, stellt sich ein seltsam irritierendes Gefühl ein.
Genauso fühlte ich mich, als mein Mann mir mitteilte, dass er bereit wäre, dieses Experiment zu wagen. Jetzt konnte ich nur noch hoffen, dass aus dem Versuch nicht eine Reality-Show namens „Wie ruiniere ich meine Ehe in 10 Tagen?“ entsteht.
Den Ort, an dem diese Unterhaltung stattfand, können Sie sich sicher schon denken – genau, wieder unsere Wanne.
Zwei Wochen waren vergangen, ohne dass jemand von uns das Thema noch einmal ansprach. Es war kein Totschweigen, sondern ein bewusstes Zulassen von Raum, um über das Gesagte nachzudenken und es auf sich wirken zu lassen. Umso erstaunter war ich, als mein Mann zwischen Champagnerblasen und blubberndem Wasser zu mir sagte:
„Du bist zwar meine Frau, aber nicht mein Eigentum!“
Es war die schönste Liebeserklärung meines Lebens – und der Auftakt zu unserem bislang ehrlichsten Gespräch.
Denn wenn Sie jetzt denken: Super, endlich eine offene Ehe – also rauf auf den charmanten Schweizer oder ab ins sexuelle Abenteuer! – dann vergessen Sie gerade, dass es für jeden von uns 15 Jahre her ist, dass wir Sex mit jemand anderem hatten.
Das klingt banal, aber tatsächlich war das etwas, das uns zugleich erregte und erschreckte. Bei seinem Partner weiß man, dass man so angenommen wird, wie man ist, doch bei Fremden ist das keineswegs garantiert. Jeder von uns hatte in diesem Punkt seine ganz eigenen Komplexe und Bedenken, die wir einander mitteilten.
Der Göttergatte hatte zum Beispiel die Befürchtung, dass es als Mann viel länger dauern würde, eine Partnerin für ein Abenteuer zu finden, als für mich – und dies zu Frust in unserer Partnerschaft führen könnte. In diesem Kontext kam auch die Frage auf, ob ich schon jemanden Konkreten im Auge hätte. Ich nickte, holte tief Luft und sagte seinen Namen. Mein Mann war nur halb überrascht. Sein Gesichtsausdruck verriet, dass er diese Antwort bereits geahnt hatte – doch der Name kam für ihn unerwartet.
An diesem Sonntagabend stieg ich aus der Badewanne, mit einem überwältigenden Gefühl von Freiheit. Ich konnte mir uns in 20 Jahren vorstellen und dabei frei atmen. Ich sah uns eingebunden in ein Beziehungsnetz aus Menschen, die uns wichtig waren, die wir nicht verheimlichen mussten, die uns emotional, intellektuell und sexuell inspirierten und uns als Paar sowie Individuen wachsen ließen.
Am nächsten Morgen konnte ich es kaum glauben, dass das alles wirklich geschah, dass nach Jahren des Spekulierens sowie Philosophierens nun der Startschuss gefallen war.
Während der Göttergatte bereits loslief, um sich ein Tinder-Profil anzulegen, blieb ich verwirrt an der Startlinie stehen. Es war, als wäre ich beim Klettern am letzten Griff einer endlos erscheinenden Route angekommen. Doch statt mich gesichert zurück auf den Boden der Tatsachen bringen zu lassen, klammerte ich mich verkrampft fest – unfähig, mich fallen zu lassen.
Damit Sie verstehen, wie ernst die Lage war: An jenem Montag telefonierte ich mit meiner besten Freundin. Normalerweise erfuhr sie ALLES – von der schlecht verdauten Erbse bis zu meinem neuesten Sex-Experiment. Und jetzt hielt ich die spannendste Story meines Lebens zurück.
Bevor ich die Reaktion der Außenwelt auf diese Entscheidung hören wollte, musste ich erst meinen emotionalen Kater vom plötzlichen Freiheitsgefühl überwinden. Manchmal kommt die Freiheit eben nicht mit Feuerwerk – sondern mit einem brummenden Kopf und entschieden zu vielen Gefühlen.




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