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52 - Der Hitzestift-Effekt

13. Aug.
3 Min. Lesezeit


Jedes Paar hat so seine Routinen. Bei den einen ist es sonntags Tatort, bei uns ist es: Ausgehen mit den Tinderdates meines Mannes. Romantik ist eben, was man daraus macht.


Inzwischen ist es ein Ding, dass ich die Damen des Göttergatten eines Tages auch kennenlerne – und da ich von Grund auf neugierig bin, ist das ein unterhaltsames Hobby für mich geworden. Insgeheim glaube ich allerdings, dass mein Mann damit einen ganz anderen, perfiden Plan verfolgt. Nein, er beabsichtigt nicht, erneut subtil zu einem Dreier überzuleiten.


Viel schlimmer: Ich glaube, er will regelmäßige Gelegenheiten schaffen, bei denen ich Französisch sprechen muss – da ich mich ja selbst beim Daten in Frankreich erfolgreich vor dieser Sprache drücke. Und das, obwohl ich zwei Franzosen liebe – wobei ich mit jedem von ihnen eine andere Sprache spreche: mit dem einen Deutsch, mit dem anderen Englisch. Und dann gibt es da noch die anderen, mit denen ich zwar auch nicht Französisch spreche, aber dafür praktiziere.


Dies war jedoch als eine gänzlich sexfreie Verabredung mit Antonia geplant – der unentschlossenen Italienerin mit dem guten Männergeschmack. Schließlich war sie vorher mit einer Kopie meines Mannes verheiratet. Und obwohl sie die Vorzeigequote des Göttergatten versaut hatte, trafen und schrieben sich die beiden noch regelmäßig – dieses Mal eben im Wald, mit Begleitung. Antonia wurde angekündigt als Outdoor- und Sport liebendes Duracell-Häschen mit nagelneuen Batterien. Wir verstanden uns sofort gut – aber ihr bester Freund und ich verstanden uns auf Anhieb noch besser. Also liefen wir zwei vorneweg, und der Göttergatte und die Sportskanone schlappten hinterher. Joggen über Pariser Asphalt prädestiniert einen offensichtlich nicht zur Waldfee. Im Grünen sind nicht Lattebecher und Hundehaufen, sondern Wurzeln, Mücken und Tannenzapfen, die unberechenbaren Gefahrenquellen.


Ich war amüsiert, als sie sich nach der ersten halben Stunde bereits am Finger verletzt hatte – so sehr, dass sie laut darüber klagen musste –, das war, als würden wir mit einer erwachsenen Version unserer Tochter durch den Wald laufen. Zum Glück war Mama vorbereitet und hatte einen Eispack dabei. Unwichtiges Detail, dass sie von uns beiden die Ältere war, während wir mit den jungen Hüpfern durch den Wald flanierten. Das Eispack war eigentlich dafür gedacht, die Schokolade auf dem Muffin genau im Temperaturfenster zwischen zart schmelzend und bissfest zu halten – der Göttergatte ist da sehr sensibel –, aber natürlich durfte er auch für andere wichtige Notfälle genutzt werden.


In der nächsten Stunde begann sie, sich über die tropischen Temperaturen zu beschweren. Es waren 27 Grad. Mit Wind. Die Einheimischen trugen teilweise noch Jacken.


Und als wir nach gut drei Stunden fast wieder am Parkplatz waren, wurde sie auch noch von einem Insekt gestochen. Zum Glück hatte ich meinen Hitzestift dabei – das Schweizer Taschenmesser all jener, die im Wald nicht jagen, sondern gejagt werden. Mit diesem Hitzestift behandle ich Insektenstiche jeder Art und überall.


Am Ende hatte ich mit meinem ganzen unerwarteten Equipment für Belustigung und Wohlbefinden gesorgt und ihren besten Freund prima unterhalten – weil er ausnahmsweise nicht allein ihrer Wehleidigkeit ausgesetzt war.

Und obwohl er vier Stunden mit mir Französisch sprechen musste, oder vielleicht gerade, weil er es tun musste, war er am Ende so heißgelaufen, dass er mir seine Nummer gab. Keine 24 Stunden später hatte ich bereits ein Foto seines Hitzestifts auf dem Handy. Ich wusste nicht, ob ich stolz auf mein Französisch oder besorgt um meine Außenwirkung sein sollte.


Ehrlich, mit Tinder wird es nie langweilig, selbst wenn man nur als Begleitung mit dabei ist.

 
 
 

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