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53 - Liebe geht durch den Magen und die Laken

20. Aug.
3 Min. Lesezeit

Waren Sie nervös, als Sie Ihre letzte Verabredung zum ersten Mal zu sich eingeladen haben? Oder gehören Sie zu diesen beneidenswert abgeklärten Menschen, die vor dem ersten Overnight-Date noch locker die Fenster putzen, damit der Hüftschwung sitzt?


Ich jedenfalls war aufgeregt, als ich Leif zum ersten Mal vollständig angezogen in einem Restaurant gegenübersaß – obwohl wir schon seit Monaten Zeit miteinander verbrachten. Vorwiegend im Bett, auf der Terrasse und im Pool – also war das hier eine ganz neue Erfahrung: mit Kleidung am Tisch statt ohne Kleidung auf dem Tisch. Wow! Verrückt. Schon allein das war ein Grund für Schmetterlinge im Bauch.


Schließlich hatte unsere erste Unterhaltung von Angesicht zu Angesicht ganze drei Sekunden gedauert, bis wir ineinander versunken waren – und weitere fünf Minuten, bis wir die Schlafzimmertür hinter uns ins Schloss fallen ließen. Das haben wir bei diesem Date dann übrigens voller Eifer vergessen – und erst, als ich befriedigt in seinen Armen lag, ist uns aufgefallen, dass die Tür zu unserem kleinen Liebesnest nicht geschlossen war. Ups! Das Schlimme: Er hat mich zwischendurch sogar gefragt und ich habe vermutlich so etwas geantwortet wie: „Stoß lieber mich als die Tür.“ Aber ich greife vor. Zurück an den Tisch.


Wir aßen also – bekleidet und zivilisiert – zu Mittag in einem kleinen Straßenlokal im Nirgendwo, sahen uns in die Augen und waren neugierig. Neugierig auf den anderen. Neugierig auf unsere erste gemeinsame Nacht. Meine erste Nacht mit jemand anderem als meinem Mann – seit 16 Jahren. Zum Glück gab es keinen Streit über die Bettseiten, denn Leif ist nicht nur polyamorös, sondern auch poly-bettseiten-flexibel, sodass ich – zwar in neuen Armen, aber immerhin auf meiner Seite schlafen konnte.


Eins war mir nach den Turbulenzen bewusst geworden: Ich benötigte mehr Zeit mit Leif. Alles war so schnell gegangen – die Nähe, die Zuneigung, die Liebe –, dass wir kaum hinterhergekommen sind, wie der erste emotionale Tieffflug bewiesen hat. Auch der Göttergatte verstand dieses Bedürfnis. Das mit Leif war nichts, das vergehen sollte, also brauchte es ein Fundament – eines, das aus mehr bestand als aus gebrauchten Kondomen und feucht-fröhlichen Orgasmen. Der Beziehungsrat erteilte eine Sondergenehmigung für eine Übernachtung. Formular 69/Overnight, ordnungsgemäß abgestempelt vom Göttergatten.


Leif hatte sich um ein Häuschen am See gekümmert, das perfekter nicht hätte sein können – und ich um das Abendessen, damit wir nicht Gefahr liefen, uns versehentlich wieder anziehen zu müssen.


Am Abend vorher hatte ich in der Küche gestanden und für uns zwei, die Tochter und den Göttergatten, Onigiri gebastelt – also japanische Dreiecke aus Klebreis mit verschiedenen Füllungen, die aussehen, als hätte ein Sushi-Azubi Origami probiert. Zu kochen für alle, die ich liebte und die um mich waren – das erfüllte mich mit stiller Wärme, Genugtuung und Geborgenheit. Die warme Klebrigkeit des Reises schien durch meine Hände in meinen ganzen Körper und mein Herz zu sickern.


Es war wie ein seltsames emotionales Vorspiel für die bevorstehende Nacht. Und so saßen wir am nächsten Abend vor der Glastür in Unterwäsche auf dem Fußboden, aßen mit Stäbchen unsere Bentoboxen, erfreuten uns am Plätschern des Regens, des kleinen Wasserfalls vor der Tür – und an den Worten des anderen.

Es war perfekt.

Intim, lustig, ehrlich, nah. 


Ich kann jetzt aus vollem Herzen und nicht nur nassen Höschen sagen: Ich liebe Leif auch außerhalb meines Bettes. Sogar angezogen.

Intimität kann also lauter flüstern, als Lust stöhnen. 

 
 
 

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