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54 - Die drei Ps: Pop, Pap, Poly

27. Aug.
3 Min. Lesezeit

Die Dates des Göttergatten waren bisher wie Tiefkühlpizza: entweder zu heiß zum Anfassen oder noch gefroren in der Mitte. Doch mit der Frau, die ihn nicht ausschließlich für Sex treffen wollte, ist das anders. Monique hat die Erwartungen zunächst so weit heruntergeschraubt, dass man jetzt etwas gemeinsam aufbauen konnte. Und zwar mit echten Dates, statt hemmungslosem Sex.


Und Sie werden lachen, wenn ich Ihnen erzähle, welches neue Hobby der Göttergatte ihretwegen hat: Er hat sich für das neue Schuljahr tatsächlich in einen Pop-A-cappella-Chor eingeschrieben.

Ich hab’s nur geglaubt, weil ich seinen Ohrwurm vom ständigen Üben förmlich sehen konnte. Geübt wurde nur, wenn ich nicht im Haus war – man kann einer Ehefrau schließlich nicht alles zumuten. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie großartig ich das finde – und wie stolz ich auf ihn bin. War er das erste Mal mit Antonina noch singen gegangen, um sie zu beeindrucken, so ging er diesmal wegen einer Frau – aber nicht für eine Frau. Sondern für sich.

Auch das ist eine offene Ehe: Weiterentwicklung durch andere Menschen – ganz egal, ob man sie schon nackt gesehen hat oder nicht.


Überhaupt verbrachten die beiden in letzter Zeit viel Quality-Time miteinander. Eine neue, spannende Entwicklung für uns alle. Nicht mehr nur vier Stunden vögeln und wieder nach Hause – oder der Quickie auf dem Parkplatz. Jetzt gibt’s romantisches Herumliegen in der Hängematte, mit philosophischen Gesprächen und Mückenstichen und dann auch endlich dem Mut zum ersten Move.


Ich selbst bin gerade nicht so richtig in Datinglaune – abgesehen von Leif natürlich –, weil ich mit meinem neuen Projekt beschäftigt bin, all diese kleinen Notizen für interessierte Leser zugänglich zu machen. Ich bin also froh, dass der Göttergatte bespaßt wird – so habe ich Zeit zum Schreiben.


Doch dann kam ein Moment, den ich so nicht erwartet hatte. Mein Mann war im Wald, und ich bekam eine E-Mail von meinem neuen Gynäkologen: Etwas mit meinem Pap-Abstrich sei nicht in Ordnung, aber ich solle mir keine Sorgen machen. Was ungefähr so beruhigend ist wie ein tickendes Paket in der Hand.

Na, zum Glück hat er das dazugeschrieben! Sonst hätte ich mir doch tatsächlich schlimme Dinge ausgemalt, wenn der Krebsvorsorgeabstrich nicht einwandfrei ist.


Tja, und da saß ich nun – mit meiner Angst, mit meinem Kopfkino – und wollte meinen Mann nicht in der Hängematte stören. Erstens konnte er gerade ohnehin nichts tun. Und zweitens gönnte ich ihm diesen (hoffentlich) schönen Moment von Herzen.

Was habe ich also getan?


Ich habe eine andere Liebe angerufen. Nicht Leif, sondern die beste Freundin. Und weil sie die Worte Biopsie und Autopsie verwechselt hat, hat es genau fünf Sekunden gedauert, bis ich am Telefon Tränen gelacht habe. Sie schlug nämlich vor, dass wir zunächst mal den Autopsiebericht abwarten sollten, bis wir uns Sorgen machten. – Das klang vernünftig.


Leif habe ich es dann nachts am Telefon erzählt – als mein Kopf lieber verarbeiten wollte als schlafen. Das war ein eigenartiges Gefühl: meine Angst zu teilen mit jemandem, der so neu in meinem Leben war. Und gleichzeitig war es beruhigend. Es hat mir das Gefühl gegeben, dass da drei Menschen sind, die mich lieben und tragen – auch durch schwierige Zeiten.


Am Montag gab es beim Arzt Entwarnung. Ich darf weiterhin offen lieben, unbequem denken und für Sie schreiben.

Und bis dahin: Gehen Sie zur Krebsvorsorge.

Singen Sie laut.

Lieben Sie wild.

Und sorgt dafür, dass ihr Menschen an eurer Seite habt, die euch zum Lachen bringen, bevor der Autopsiebericht eintrifft.

 
 
 

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