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55 - Die Triangel der Dreifaltigkeit

3. Sep.
3 Min. Lesezeit

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Samstagabend – und Sie täuschen Begeisterung vor. Nein, nicht dabei, sondern weil eines Ihrer Kinder mit vollem Körpereinsatz, aber ohne jegliches Taktgefühl die Triangel malträtiert. Auf einer Bühne. Nach einem Jahr Unterricht. Ja, unsere Tochter spielte mal Triangel. Das ist wie Schlagzeug – nur ohne die Chance auf Respekt. Solche Abende kenne ich.

Was ich hingegen bislang nicht kannte: am Samstagabend mit dem Göttergatten zu den Gitarrensoli meines Lovers zu wippen.


Ich weiß nicht, wer aufgeregter war – Leif vor seinem Auftritt mit der Band aus Jugendtagen oder ich vor der Begegnung der zwei Männer, die ich liebe. Das letzte Mal, dass ich einem Mann einen anderen vorgestellt habe, war, als ich meinem Vater den heutigen Göttergatten präsentierte. Und mein Vater war sehr amüsiert, weil mein Auserwählter Franzose war – und ich wegen dieses Fachs beinahe durchs Abitur gerasselt wäre.

Elterliche Genugtuung – wie man sie selten serviert bekommt.


Aber dieses Mal war alles irgendwie verwirrend: Leif ist knapp fünfzehn Jahre älter als mein Mann – aber der Göttergatte hat Hausrecht, den Stammplatz am Esstisch, kennt das Versteck für den guten Whisky – und darf ohne Anleitung die Spülmaschine einräumen.

Das ist Macht.

Sie sehen schon – mein Hirn war komplett irritiert. Manchmal geraten mein altes Beziehungsskript und gesellschaftliche Updates wie Polyamorie 1.0 so aneinander, dass mein Gehirn sich nach Vergleichswerten sehnt – wie ich nach einem Glas Rotwein am Freitagabend.


Ich kannte alle Beziehungen meines Mannes – und war immer neugierig auf die Frauen, mit denen mich ihr guter Geschmack für Männer verband. Andersherum empfand ich es als stressig. Umso besser, dass Leif  uns zu seinem Konzert einlud: kein Zwang, aber ein erster Schritt. Die beiden konnten sich beschnuppern, danach hatten beide wiederholt gefragt – und ich sah ihn endlich mal mit seiner Gitarre.


Wie es schlussendlich war?

Es war eine Art Dreifaltigkeit des Alltags: der Göttergatte, der Liebhaber und ich – vereint durch Musik, vorsichtige Blicke und ein süßes Geheimnis. Ich muss zugeben, dass ich es zutiefst genossen habe, von den beiden umgeben zu sein.

Ich fand es großartig zu sehen, wie mein Mann Leif zum Lachen brachte – indem er sich sofort erkundigte, ob er auch schon meine neue Frisur bemerkt hätte. Hatte er natürlich nicht. Kein Wunder – ich will meine Haare ja eigentlich gar nicht schneiden, sondern wachsen lassen, was nur zu mikroskopisch nachvollziehbaren Haarschnitten führt. Aber am Tag vorher wollte ich dringend Lob vom Göttergatten für das gelungene Ergebnis, und nun wollte er sichergehen, dass ich es auch von Leif bekam.

Wer hätte schon gedacht, dass abgebrochene Spitzen sich als Eisbrecher eignen? Ein empfehlenswerter Einstieg, denn: Neben einem Musikgeschmack, der für meine Ohren zu metalllastig ist, haben die zwei eben auch mich gemeinsam.


Im Laufe des Abends wurde mir klar, dass ich Küchentisch-Poly bin. Ich möchte, dass die Menschen, die ich liebe, zusammen am Tisch sitzen, lachen, quatschen – und sich im Idealfall auch wirklich mögen. Drei Menschen, zwei Beziehungen, ein Taktgefühl – das ist mein Traum.


Mein persönliches Highlight des Abends – neben meinen Männern – war ein Typ mit einem T-Shirt, das nicht mehr Punk und Paris hätte sein können. Es trug die Aufschrift: „I love nothing. – I’m Parisian.“ Als sich dieser gereifte Punk dann auch noch als professioneller Triangelspieler entpuppte, machte mir das Hoffnung, dass die musikalische Früherziehung unserer Tochter doch nicht umsonst gewesen war.


Nichts würde mich stolzer machen, als wenn ich eines Tages mit dem Göttergatten, Leif – und vielleicht auch ihren Poly-Lovern – im Publikum stehe und ihr an einem Samstagabend beim ekstatischen, schweißtreibenden Triangel-Metal-Fusion-Finale zujuble.

Dieses Mal ganz ohne vorzutäuschen – weil sie ihre Entscheidung lebt, nicht unsere Erwartungen.

 
 
 

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