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6 - Auf dem Präsentierteller

  • 25. Sept. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Ich weiß nicht, wann Sie das letzte Mal auf einer Online-Dating-Plattform waren, aber für mich ist das eine kleine Ewigkeit her. Und obwohl sich seitdem eine Menge geändert hat, ist eines geblieben: auffallend unvorteilhafte Profilbilder!


Meine beste Freundin schickt mir regelmäßig eine Auswahl der spektakulärsten Exemplare. Es ist erstaunlich, dass Menschen bereit sind, ein kleines Vermögen für perfekte Bewerbungsfotos auszugeben – aber fürs Dating dann unvorteilhafte Schnappschüsse wählen: von unten das unrasierte Kinn fotografiert, in Tatort-Beleuchtung und in einem T-Shirt, das schon beim Schüleraustausch 1993 peinlich war.


Liebe Herren, falls Sie das hier lesen und mit dem Gedanken spielen, sich irgendwo anzumelden: Rufen Sie bitte meine beste Freundin an. Nicht, weil sie noch Single ist, sondern weil sie Fotografin ist und Sie ins richtige Licht rückt. Niemand muss ein Topmodel sein – ich zähle ganz sicher auch nicht zu dieser Kategorie –, aber jeder von uns hat eine Schokoladenseite, und die darf man online ruhig zeigen.

Damit die Bilder meines Mannes nicht auch in der Kollektion „Hall of Shame“ landen, habe ich ihm Fotos herausgesucht und sogar noch eins am Klavier gemacht – professionell ausgeleuchtet und mit einem charmanten Lächeln. Eines von vielen „ersten Malen“, die noch folgen sollten.


Oder haben Sie etwa auch das Tinder-Profilbild Ihres Mannes aufgenommen?


Sein Eifer hat mich beeindruckt. Ich selbst hatte null Lust auf Tinder – und dank des reizvollen Schweizers konnte ich mir das auch sparen. Mein letztes Mal auf so einer Seite war, als ich meinen Mann kennenlernte. Damals hatte ich dort definitiv mein Vergnügen – aber da durfte ich das Ganze noch auf Deutsch betreiben. Online-Dating auf Französisch hatte für mich hingegen so viel Sex-Appeal wie Kartoffeln schälen in einer Blümchenschürze am Sonntagvormittag.


Sie kennen den Göttergatten bisher nicht so gut, deswegen ein kurzer Steckbrief:

  • Er ist einer der wundervollsten Menschen, die ich je getroffen habe,

  • brilliant

  • extrem lustig,

  • ein bisschen bequem –

  • und er liebt Excel, ebenso wie Statistiken jeder Art.


Ach ja, und laut Legende hatte er beim Online-Dating eine 100-%-Trefferquote. Der Ehrlichkeit halber sei erwähnt, dass ich diese Anekdote nur vom Hörensagen kenne und nie überprüft habe.

Aber angeblich hat mein Mann vor 15 Jahren genau einer Frau geschrieben – Sie ahnen es schon – mir. Zwei Wochen später zog er bei mir ein, er hat mich „exportiert“ und wir haben geheiratet.

Eine beeindruckende Statistik, oder?

Meine Quote sähe da wohl etwas anders aus.


Mit so einer makellosen Erfolgsbilanz im Rücken lässt sich schwer noch eins draufsetzen. Und Tinder ist nicht gerade gnädig: Schreiben darf nur, wer die Gesichtskontrolle übersteht und es schafft, mit Witz und Charme sich in der Biografie zu verkaufen – wie bei einem Bewerbungsgespräch – nur dass man statt Lebenslauf seine sexuelle Potenz und emotionale Unzulänglichkeit präsentiert.


Erschwerend kam für meinen Mann noch die eher ungewöhnliche Wahrheit dazu, dass er verheiratet ist, seine Frau das Profilbild gemacht hat und er „neue Impulse“ sucht. Nicht gerade ein klassischer „Swipe-me“-Pitch.


Am Ende hat der Göttergatte sich mit Bravour auf den Präsentierteller gestellt – und kaum eine Woche später schon sein erstes Date. Und ob Sie es glauben oder nicht: Die zwei haben nicht nur online gematcht!


Ich schwöre, dieser Mann sollte weniger tindern und stattdessen Lotto spielen – dann könnten wir beide unsere Jobs kündigen und uns hauptberuflich auf sexuelle Abenteuer spezialisieren.

 
 
 

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