7 - Erste Male
- 2. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Mein Mann und ich wollten neue Dinge ausprobieren, aber wir hatten uns etwas anderes darunter vorgestellt als das, was tatsächlich auf uns zukam. Wir dachten an aufregende Stellungen, exotische Orte oder prickelnde sexuelle Praktiken – aber stattdessen sprachen wir über Bluttests, Enthaarung und Beischlafarrangements. Unerwartet!
Das Tinderlinchen, das der Göttergatte kennengelernt hatte, war ein echter Glückstreffer. Sie lebte schon seit Jahren in einer offenen Beziehung und hatte folglich Erfahrung sowie etablierte Routinen, von denen wir direkt profitieren konnten – ohne dass wir die unangenehm juckenden Erfahrungen selbst machen mussten. Sie verlangte von jedem ihrer Partner einen Blut- und Urintest auf sexuell übertragbare Krankheiten wie HIV, Hepatitis B, Chlamydien, Syphilis und Tripper. Es ist kein sexy Gespräch, so etwas zu verlangen, aber es macht absolut Sinn, wenn man sich für einen solchen Lebensstil entscheidet.
Wie die Welt bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2024 in Paris vor Augen geführt bekam, ist dies der Lifestyle, den der französische Staat offensichtlich für seine Bürger vorsieht. Somit ist es auch wenig überraschend, dass die Kosten für diese Tests von der französischen Krankenkasse übernommen werden. Das nenne ich mal sinnvoll ausgegebenes Steuergeld!
Sich einmal piksen lassen, damit man danach wild losstechen kann, klingt fair – aber das Tinderlinchen hatte noch weitere Voraussetzungen: Zum einen wollte sie keinen Sex im Hotel, damit sie sich nicht wie eine Prostituierte fühlte. Das konnte ich zwar verstehen – bedeutete aber im Umkehrschluss: Sex in unserem Ehebett! So hatte ich mir das irgendwie nicht vorgestellt. Andererseits hatte sich mein Mann die Ehe mit mir wohl auch nicht ganz so vorgestellt – also hieß es, Kompromisse finden, wie in jeder guten Beziehung. Der Kompromiss lautete: Sex in unserem Bett, aber mit anderem Bettzeug. Mein Mann hat also jetzt eine eigene Schublade unter dem Bett für sein Vögelbettzeug. Romantischer geht’s kaum! (Der Fairness halber sei erwähnt, dass ich inzwischen auf meiner Bettseite auch eine habe.)
Ein anderes Thema war für sie: Körperbehaarung! Eigentlich war das bei uns nie eine große Sache, da wir beide nicht besonders behaart sind und dann über die Jahre auch noch faul geworden sind, weil Windelwechsel wichtiger war als Intimrasur. Aber sobald es um Sex mit Fremden geht, bekommt das Thema plötzlich eine ganz neue Dringlichkeit. Während mein Mann überlegte, wie er sich am besten die Eier enthaaren sollte, machte ich meinen ersten Waxing-Termin, seit ich das Heimatland verlassen hatte. Es war Zeit für die neue Vokabelliste. Bei aller Neugier auf diese Erfahrung wollte der Göttergatte gerne verzichten. Also schlug ich ihm Enthaarungscreme vor. Enthaarungscreme? Mein Mann schaute mich an, als hätte ich ihm gerade ein gänzlich neues Element im Periodensystem vorgestellt. Also cremte ich ihm die Eier ein, während er acht Minuten auf dem Badezimmerboden herumlag – und schon waren sie gepellt.
Ich dachte, ich sei eine erwachsene Frau, die mit beiden Beinen im Leben steht – bis ich unten ohne auf einer Liege lag, während eine fremde Frau mir heißes Wachs auf die intimsten Stellen schmierte. Klingt wie eine Sexfantasie – war aber mein Enthaarungstermin. Da bekommt das Wort Vorglühen plötzlich eine ganz neue Bedeutung.




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