8 - Harte Dinge
- 9. Okt. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Er geht seine Checkliste durch:
frische Bettwäsche? Check.
Eier enthaart? Check.
Blut getestet? Check.
Und ich sitze daneben, beobachte ihn und rede ihm Mut zu. Schon spannend, mal die Seiten zu wechseln und zu erleben, wie aufgeregt Männer eigentlich vor einem Date sind. Damit der Göttergatte sich nicht gleichzeitig mit seiner Nervosität und seiner mitfiebernden Ehefrau herumschlagen musste, verbrachte ich den Tag besser mit dem charmanten Schweizer in Paris.
Falls Sie jetzt an kitschige Liebesfilme denken, in denen wir ein Metallschloss mit unseren Namen an die Pont des Amoureux hängen, gemeinsam Spaghetti von einem Teller schlürfen und knutschend unter dem Eiffelturm stehen – dann liegen Sie vollkommen falsch. Wie beim Göttergatten war auch bei ihm etwas steif – nur leider der falsche Körperteil. Sechs Wochen, nachdem er meine Nummer verlangt hatte, bekam er eine Knieprothese. Also fuhr ich ihn zum Nachsorgetermin nach Paris, während mein Mann mit einer fremden Frau unser Ehebett entweihte.
Ich hätte mir auch eine spannendere Story gewünscht, aber das Leben schreibt manchmal Drehbücher, die selbst RTL 2 ablehnen würde.
Ganz fremd waren sich die beiden inzwischen nicht mehr – sie hatten sich bereits zu einem mehrstündigen Spaziergang im Wald getroffen. Ein Umstand, an dem so einiges eigenartig war.
Ich fand es extrem befremdlich, dass diese Frau bereit war, mit einem Typen, dem sie gerade einmal vier Tage lang im Internet geschrieben hatte, in den Wald zu gehen. Mir wäre das nie in den Sinn gekommen. Noch jetzt gehe ich ungern mit meinem Mann in den Wald. Das liegt aber nur an seinem schlechten Orientierungssinn – ich fürchte immer, dass wir uns nie wiederfinden, sollte er sich verlaufen, obwohl er nur 700 Meter Luftlinie vom Auto entfernt ist.
Ich war unschlüssig:
War das mutig oder naiv?
Selbstbestimmt oder töricht?
Na ja, da sie sich mit meinem Mann traf, wusste ich zumindest, dass sie nicht in Gefahr war – solange sie einen Orientierungssinn hatte.
Sie hingegen hielt es für reichlich seltsam, dass mein Mann sich erst wirklich mit ihr unterhalten wollte, bevor sie nackt gemeinsam Gymnastik machten. So unterschiedlich können Menschen sein. Dieses Mal kam erst die Pflicht, dann das Vergnügen: Nach getaner Arbeit quatschten sie bei einem Tee am Kamin. So herum gefiel es ihr deutlich besser. Während sich as Tinderlinchen um das harte Ding meines Mannes kümmerte, entschied der Arzt in Paris derweil, dass auch das harte Ding des Schweizers noch einmal bearbeitet werden musste.
Er meinte natürlich das Knie!
Aber das war Ihnen sicher klar, oder?
Also fuhr ich ihn einmal quer durch Paris – eine beinahe romantische Stadtrundfahrt. Wir sahen den Eiffelturm, das Musée d’Orsay, den Louvre und die frisch renovierte Notre-Dame. Mit dem kleinen Unterschied, dass unser Ziel nicht ein Luxushotel, sondern eine Klinik mit Neonlicht und Desinfektionsgeruch war. Der krönende Abschluss meines Tages? Ein Nachmittag mit ihm im Krankenhausbett.
Dank der schicken OP-Kleidung bekam ich erstmals seine Route zu sehen - eine Route, die ich locker in 45 Sekunden erklommen hätte. Aber gut Ding will Weile haben. Wenn das Knie nicht mehr hart ist, dann wird es vielleicht ein anderer Körperteil.




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